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Das Titelfoto…
…zeigt das formidable Diplomat A Coupé von Opel-Chef Dr. Karl-Thomas Neumann. Das Bild habe ich von Opel und unser Grafiker Nicolas Kügler hat in gewohnt souveräner Manier einen Titel daraus gemacht.

Auf die Homepage übernommene Themen:       


Im Gespräch mit Opel-CEO Dr. Karl-Thomas Neumann

Stefan Heins *1662

Auf ein Wort mit Heinz Zettl
Stefan Heins *1662

Mit dem Super 6 nach Dänemark

von Michiel Kruijthof *3775

Außerdem in Heft 239:                                     

Unterwegs:

-     50 Jahre Rekord C
   
  von Hannelore und Karl Heinz Behrens *3866

-    Große Geburtstagsparty - 50 Jahre Prüffeld    
     Dudenhofen
      von Jürgen Nöll *3500


Technik:

-     Instandsetzung der Frontmaske Rekord D
       von Joachim Vinson *3400

-    Die Wiederherstellung eines 105 Jahre alten   
      Opel

      von Bart Buts *2307

Historie:

-   Nachtrag zum Manta i300
    
von Jean Naegels *2339

 

 

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Sieht man Sie auf einer Oldtimer-Veranstaltung, fällt sofort auf, Sie leben die Marke. Ihr erstes Auto war ein Kadett D. Ist die heutige Tätigkeit oder besser der Arbeitgeber Opel bewusst angestrebt worden?

 

Opel ist mit einer mehr als 150-jährigen Geschichte einer der ältesten und traditionsreichsten Automobilhersteller der Welt. Es ist eine tolle Aufgabe, den Opel-Blitz wieder erstrahlen zu lassen. Die Aufgabe hat mich direkt gereizt.

 

Weshalb wurde es damals ein Kadett D? In Dortmund und Duisburg galt der C doch als das coolere Auto.

Ich habe mir mit dem Auto einen kleinen Traum erfüllt. Vorher hatte ich einen alten Gebrauchtwagen und ständig Pannen – die Marke erwähne ich höflichkeitshalber mal lieber nicht. Mit dem Kadett empfand ich Besitzerstolz, aber auch das gute Gefühl: Jetzt kannst du wirklich fahren, wohin Du willst. Diese Freiheit war großartig. Das Auto war übrigens knall orange. Die Farbe war damals ziemlich angesagt, und ich ein Surfer mit längeren Haaren. Da passte so ein gelbes Brett super aufs Dach (lacht).

 

Wie kommt man in Twistringen auf die Idee, Ingenieur zu werden?

 

Ich bin seit jeher sehr technikaffin. Da war es eigentlich nur folgerichtig, dass ich Ingenieur geworden bin. Heute sind die Chancen für Ingenieurinnen und Ingenieure, die Zukunft einer ganzen Industrie maßgeblich mitzugestalten, sogar noch aufregender als damals. Denn die Automobilindustrie ist heute in hohem Maße technologiegetrieben, denken Sie nur an aktuelle Megatrends wie die Digitalisierung, autonomes Fahren und Elektromobilität.

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Diplomat? Der Opel-Chef zeigt sich
im Gespräch offen, fokussiert und direkt.
Hier bei der Bodensee Classic 2015
mit seinem Diplomat A Coupé…



Beruflicher Werdegang zwischen Studienabschluss und Gegenwart?

Dr. Karl-Thomas Neumann wurde am 1. April 1961 in Twistringen geboren. Er führt seit 2013 den traditionsreichen Automobilhersteller Opel. Am 1. März 2013 wurde er zum Vorstandsvorsitzenden der Adam Opel AG und zum President Europe ernannt. Seit 1. Juli 2014 ist Dr. Neumann Vorsitzender der Geschäftsführung der Opel Group GmbH. Darüber hinaus ist Dr. Neumann Executive Vice President & President Europe und Mitglied des Executive Committee von General Motors.

 


Was hat Sie dazu gebracht, die Leitung eines Unternehmens in einer derart schwierigen Situation zu übernehmen?

 

Opel ist ein wichtiger Teil der deutschen Industrie-DNA. Das Comeback mit Opel zu schaffen, ist eine enorm spannende und wichtige Aufgabe – und die vielleicht größte Herausforderung in der europäischen Automobilindustrie überhaupt. Es ist großartig, das Team zu führen, das sich dieses Comeback erarbeitet.

 

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…das übrigens ziemlich gut geht

Faktoren für den gelingenden Turnaround?

 

Im Mittelpunkt stehen da natürlich unsere hervorragenden Produkte – allen voran der neue Astra, Europas Auto des Jahres 2016. Gute Produkte sind die Grundvoraussetzung für Erfolg und für das Comeback von Opel. Und wir haben noch einiges in der Pipeline! Bis 2020 werden wir 29 neue Modelle auf den Markt bringen.

 


Welche Rolle spielen im ersten Moment verwegen wirkende Personalentscheidungen wie beispielsweise die Berufung von Tina Müller zur Marketingchefin?

 

Eine ganz wichtige. Tina Müller und ich waren uns von Anfang an einig darüber, dass das Image der Marke Opel verbessert werden musste. Durch die von ihr entwickelte „Umparken im Kopf“-Kampagne haben wir uns mit einem Augenzwinkern mit uns selbst beschäftigt und viele Menschen zum Umdenken gebracht. Die Menschen verfolgen unser Comeback wohlwollend und interessiert; unsere Verkaufszahlen steigen seit dreieinhalb Jahren. Alleine im ersten Halbjahr haben wir in Europa um knapp 7 Prozent zugelegt und unsere Verkäufe um mehr als 38.700 Autos gesteigert. Wir sind noch nicht am Ziel, aber auf einem guten Weg.

 

Wie wichtig sind Markenbotschafter? Gibt es einen persönlichen Draht zu Jürgen Klopp? Anekdoten?


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Chefwagen – der Innenraum des großen
Gleiters präsentiert sich gediegen
eingerichtet. Es ist übrigens das letzte
bei Karmann gefertigte
Diplomat A Coupé


 

Jürgen Klopp passt einfach unglaublich gut zur Marke Opel und zu unseren Markenwerten. Er ist unheimlich sympathisch, emotional und bewegt mit seiner Art die Menschen. Ihn für Opel zu gewinnen, hat uns geholfen, unser Markenimage zu verbessern. Wir sind sehr froh, ihn zu haben. Jürgen Klopp und ich verstehen uns gut; ich freue mich auf jeden gemeinsamen Termin.

 

Wie wurde der Wandel der Unternehmenskultur erreicht?

 

Bei Opel haben wir auch intern „umgeparkt“. Die Erfolge der vergangenen drei Jahre haben der Belegschaft neuen Mut gegeben. Wir sind wieder auf der Gewinnerstraße und haben wieder eine ausgeprägte Angreifermentalität. Interne Studien zeigen, dass das Engagement unserer Mitarbeiter auf Top-Niveau liegt. Sie sind stolze Opelaner.

 



Und wie kann es sein, dass z.B. der Astra einen solchen Riesensprung nach vorn gemacht hat? Vier Zentner rauszuhobeln ist schon eine stolze Leistung.

Der Astra ist ein komplett neu entwickeltes Fahrzeug. Wir haben das Auto neu gedacht und auf allen Ebenen effizienter gemacht. Das gilt auch für das Gewicht, wo wir beim Vorgänger Verbesserungsbedarf hatten. Rund 200 Kilogramm weniger wirken sich natürlich auch auf die Fahreigenschaften aus. Der neue Astra ist nun viel agiler und dynamischer. Er ist nicht umsonst Europas Autos des Jahres 2016 und Gewinner des Goldenen Lenkrads – um nur zwei Auszeichnungen zu nennen!

 

Wie geht es mit der Modelloffensive weiter?

 

Neben dem neuen Astra haben wir gerade den neuen Mokka X ins Rennen geschickt. Und wir haben wie gesagt auch in den kommen Jahren einiges vor – zwischen 2016 und 2020 bringen wir insgesamt 29 neue Modelle auf den Markt. Darunter ist mit dem Ampera-e auch ein neues Elektroauto und ein großes SUV als zweites Flaggschiff neben dem Insignia.

 

Wie wird das Wegbrechen des russischen Marktes abgefedert? Woher kommt das aktuell zu beobachtende Wachstum?

 

Wir wachsen mittlerweile im vierten Jahr in der Mehrheit unserer Märkte. Gerade auf unserem immens wichtigen deutschen Heimatmarkt geht es aktuell bergauf. Hierzulande haben wir im ersten Halbjahr 2016 um mehr als 14.500 verkaufte Autos zugelegt. Aber auch andere Märkte wie zum Beispiel Spanien entwickeln sich für uns gut.

 

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Deutschlandpremiere – der erste Auftritt des
GT Concept fand auf unserem gemeinsamen
Messestand auf der Techno Classica Essen statt

Wie kann das Vertrauen von GM erklärt werden?

 

Opel ist für das Europageschäft von General Motors verantwortlich und spielt damit eine entscheidende Rolle. Unsere Muttergesellschaft steht voll und ganz zu uns. Davon zeugen allein schon die umfangreichen Investitionen in Opel, die wir in den vergangenen Jahren angekündigt haben. Um auf globaler Ebene Erfolg zu haben, muss GM in Europa erfolgreich sein. Und das geht nur mit Opel. Und nicht zuletzt ist Opel aufgrund seines „German Engineering“ für die erfolgreiche Produktentwicklung von GM sehr wichtig. In Rüsselsheim steht mit dem Internationalen Technischen Entwicklungszentrum mit seinen mehr als 7.000 Ingenieuren das weltweit zweitgrößte Entwicklungszentrum im GM-Verbund.

 



Aus dem Job auf dem Schleudersitz ist eine Funktion geworden, die nachhaltig zu sein und auch zu wirken scheint. Woran liegt das? Gibt es einen Bezug zum Marathonlaufen? Wie kommt man zum Marathonlaufen?

 

Wir haben das gesamte Unternehmen umgekrempelt und wieder auf Erfolg getrimmt. Dies ist ein langwieriger, manchmal schwieriger Prozess, den ich gerne mit einem Marathon vergleiche. Die letzten Kilometer vorm Ziel sind immer die härtesten. Aber wir sind auf einem guten Weg. Ich persönlich kann beim Laufen viel nachdenken, habe oft gute Einfälle, die dann wiederum auch Opel zu Gute kommen.

 

In einem anderen Interview haben Sie Ihren Traum vom Segeln erwähnt. Gibt es ein Segel-Hobby?

 

Sport ist meine große Leidenschaft. Neben laufen und Fahrrad fahren gehört auch Segeln zu meinen liebsten Hobbys.

 

Hat es jemals Ambitionen gegeben, etwas im Rennsport anzufangen?

 

Ich mag schnelle Autos und finde Motorsport toll. Die Ambitionen, selbst als Fahrer in den Rennsport einzusteigen, hatte ich aber nie. 

 

Oldtimer-Fan seit wann? Gab es Schlüsselerlebnisse?

 

Ich bin ein „Car Guy“ und habe mich schon immer auch für Oldtimer interessiert.

 

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Dr. Karl-Thomas Neumann mit
Kommunikationsvorstand Johan
Willems neben dem GT Concept

Klassiker als Inspiration? Dass das Opel-Design sich nicht für Retro eignet, liegt auf der Hand. Aber lassen sich Zusammenhänge zwischen den wieder stärkeren Konturen der neuesten Modelle zu besonders markanten Klassikern wie z.B. dem Rekord C herstellen?


Wer die Zukunft gestalten will, muss die Vergangenheit verstehen. Deshalb habe ich mich seit meinem Amtsantritt bei Opel verstärkt auch mit der Opel-Modellgeschichte beschäftigt. Opel hat mit Modellen wie beispielsweise dem Kapitän, dem Admiral, dem Diplomat und dem Monza schon vor Jahrzehnten Maßstäbe gesetzt – nicht nur beim Fahrkomfort, auch beim Design. Das ist eine wichtige Inspiration dafür, die Marke wieder zu alter Stärke zurückzuführen.

 




Warum das Diplomat A Coupé?

 

Die tolle geradlinige Karosserieform mit klaren Kanten, die die Optik des Opel Diplomat Coupés bestimmen, faszinieren mich an diesem Auto. Hinzu kommt, dass das Diplomat Coupé ja sehr selten ist. Insgesamt wurden lediglich 347 Fahrzeuge gebaut und machen diesen Oldtimer damit zu einer Rarität.

 

Der GT scheint im Opel-Management der beliebteste Klassiker zu sein, während er in der Modellgeschichte eher als Sonderling dasteht. Und man kann dem Manta A, vor allem aber dem B, den größeren Nutzwert attestieren. Woher kommt die Faszination für den GT?

 

Der GT ist etwas ganz besonderes. Opel war 1965 der erste europäische Automobilhersteller, der mit dem legendären GT Experimental ein Konzeptfahrzeug auf einer Automobilmesse präsentierte. Auf dem Genfer Autosalon 2016 haben wir mit überwältigendem Erfolg unsere Vision vom Sportwagen der Zukunft präsentiert, den neuen GT Concept. Das Beispiel GT zeigt eindrucksvoll, wie die Brücke von der Historie bis in die Zukunft geschlagen werden kann.

 

Unerfüllter Oldtimer-Traum?

 

Meinen großen Traum habe ich mir erfüllt: Ich habe mir kürzlich selbst einen GT zugelegt. Einfach ein legendäres Auto, mit dem Opel damals neue Maßstäbe gesetzt hat.

 

Wie stehen Familie und Bekanntenkreis zur Oldtimerei?

 

Meine Frau hat ebenfalls ein großes Interesse an Oldtimern. Sie hat für unseren Opel GT übrigens den Farbwunsch geäußert. Er sollte gelb sein, wie ein GT aus dem Bestand der Opel Classic-Fahrzeugsammlung, der ihr besonders gut gefallen hat.

 

Professionalisierung und Preisentwicklung. Klassische Opel waren lange vergleichsweise günstig, ziehen neuerdings aber an, vor allem leistungsstarke Modelle. Was verändert sich gerade in der Szene und warum? Ausblick?

 

Oldtimer von Opel sind sehr beliebt und dennoch vergleichsweise günstig. Es ist richtig, dass der Marktwert für bestimmte Modelle gerade deutlich anzieht. Das Preisniveau steigt, ist aber immer noch in einem vertretbaren Bereich. Opel Oldtimer kommen überall sympathisch daher und verbreiten bei den anderen Verkehrsteilnehmern grundsätzlich viel Freude und Begeisterung.

 

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Markenbotschafter – Dr. Neumann mit
Moderator Detlef Krehl und Rüsselsheims
Oberbürgermeister Patrick Burghardt
beim Klassikertreffen an den Opel-Villen


Treibt auch der Erfolg der Marke die Oldtimer-Preise?

 

Ich glaube schon, dass die derzeitige positive Entwicklung des Opel-Images auch zur Wertsteigerung gewisser Opel Oldtimer führen kann. Gerade Opel Youngtimer aus den 80er und 90er Jahren wie der Monza und der Calibra erfreuen sich immer größer werdender Beliebtheit.

 



Zweitletzte Frage. Der Fan jammert bis heute den großen KAD-Modellen hinterher (und erkennt eher nicht an, dass Senator/ Monza vieles trotz geringerer Komplexität besser konnten). Der SUV soll kommen. Gibt es noch Raum oberhalb des Insignia für ein Oberklassemodell?

 

Das traditionelle Oberklasse-Segment schrumpft und ist recht konservativ. Grundsätzlich muss Premium auch nicht gleich groß bedeuten. Wir definieren den Begriff neu, etwa mit unserem Konnektivitätsdienst und Serviceassistenten OnStar, der zum Beispiel einen WLAN-Hotspot ins Auto bringt. Oder auch mit dem Opel ADAM, der so stark individualisierbar ist, dass fast jedes Exemplar ein Unikat ist.

 

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Das ist die Frage aller Fragen.
Kommt der neue GT oder
kommt er nicht?

Letzte Frage: Kommt der neue GT?

 

Die Rückmeldungen für das Konzept sind überwältigend. Der GT Concept ist ein tolles Auto, das unser neues Selbstbewusstsein und unsere Innovationskraft widerspiegelt. Eine Entscheidung, ob das Auto in Serie gehen wird, haben wir aber noch nicht getroffen.

 

Eine andere, ausführlichere Fassung dieses Interviews steht im Magazin Oldtimer Life, ab dem 24.11. im Handel. Fotografiert hat Stephan Lindloff, im Vordergrund steht der gelbe GT von Dr. Neumann.


 

 

 

 

 



Text: Stefan Heins *1662

Fotos: Adam Opel AG

Mit einem Dankeschön an Uwe Mertin (Opel Classic) und Harald Hamprecht (Opel Pressesprecher) für die Unterstützung bei der Vorbereitung.

 

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Auf ein Wort mit Heinz Zettl…

…im Restaurant F40 Las Brisas

Was müssen das für harte Hunde gewesen sein, die 1924 in einem Rennwagen wie dem im Restaurant Las Brisas im alten Opel-F-Bau in Rüsselsheim ausgestellten Steiger von 1924 über die Avus gebrettert sind. „Fahren? Schon das Einsteigen ist ein Abenteuer“, lacht Heinz Zettl, nachdem er sich ins eng geschnittene Cockpit gezwängt hat. So etwas sollte man besser ohne Zeugen üben.

Mit der detailverliebten, ja –versessenen Einrichtung von Rüsselsheims erstem Themenrestaurant hat er sich einen in den Jahren bei Opel Classic entstandenen Traum erfüllt: die maßgeblich von Opel geprägte Industriekultur der Stadt am Main zu zeigen, im Sinne einer Museumsausstellung, aber nicht staubig, nicht belehrend, sondern frisch und manchmal auch mit einer Spur feiner Ironie.

F40

Viele denken an ein flaches rotes Auto italienischer Provenienz, doch der Kenner unserer Marke weiß natürlich, F40 steht für einen Teil des nach dem verheerenden Brand 1911 entstandenen Gebäudekomplexes, der sich südlich des Rüsselsheimer Bahnhofes erstreckt und diesen Teil der Stadt immer noch prägt. Vermutlich war es vor allem Sophie Opel, die nach der Katastrophe erst recht auf Expansion gesetzt hat und den Bau vorangetrieben hat. Nachweisen lässt sich das zwar nicht mehr, aber Heinz Zettl und ich sind schon länger überzeugt, dass die Ehefrau von Adam Opel viel mehr Unternehmerin war als der berühmte Gründer. (Übrigens konnten schon vor hundert Jahren kluge, starke Frauen einiges im Leben erreichen, und das ohne Quoten, ohne Gender-„Wissenschaften“, ohne Gleichstellungsbeauftragte, ohne weinerliche Kolumnen in Frauenzeitschriften.) Schon nach einem Jahr Bauzeit konnte der beeindruckende F-Bau in Betrieb genommen werden. Über die Jahre wurde F40 verändert und die Nutzung wechselte. Zunächst beherbergte F40 eine Reparaturwerkstatt, dann die Motorkomponentenfertigung, die Ersatzteilfertigung und –lagerung, später Kundendienst und Gewährleistung. Nach dem Krieg bezog der Vorstandsbereich Vertrieb und Marketing den F-Bau. F40 diente lange als Ausstellungsraum. 2007 trennte sich Opel von diesem Teil des Altwerks. Heute nutzen Werkstätten, Dienstleistungsunternehmen und ein Gymnasium den denkmalgeschützten F-Bau – mit dem Restaurant F40 Las Brisas als Treffpunkt zum Mittag- und Abendessen.

Die Einrichtung

„Passende Gastronomen zu finden war noch die einfachste Aufgabe“, erinnert sich Heinz Zettl. Sabrina Schartner und Emilio Fernandez hatten schon vorher eine Tapas-Bar namens Las Brisas, deren Größe nicht mehr zur hohen Beliebtheit passen mochte, und so stehen Olivenbäume unter Industrieleuchten – von 1911, merkt Heinz Zettl an – und so sind nicht nur die Sprossenfenster an der im Jahr der Entstehung von F40 üblichen Bauweise orientiert, sondern sogar die Lichtschalter.

Hinter dem schwarzen Bakelit steckt echte Mechanik und wird ein Schalter gedreht, geht nicht nur das Licht an, sondern es ertönt auch das charakteristische trockene Klacken. Selbst die Türen der Toiletten sind originalgetreu gehalten und weil der Kellerschacht nicht groß genug für das Beherbergen eines Automobils ist, steht da nun eben ein Motorrad aus dem Hause Ardie, dezent beleuchtet. Im Opel-Raum steht eine alte Drehbank, im Gastraum eine historische Standbohrmaschine. Selbst das Kopfsteinpflaster und die Kanaldeckel vor dem Restaurant wurden auf den Stand von 1911 gebracht. Nur die an den Säulen montierten Leuchten im Art-Deco-Stil sind jünger. Sie wurden in den dreißiger Jahren montiert und im Rahmen der Restaurierung der Einrichtungselemente auf zeitgemäße LED-Technik umgebaut. Das absolute Highlight aber bildet ein altes Foto von der Dreherei, das sich über eine ganze Wand im Opel-Raum genannten Nebenzimmer erstreckt. Das raffiniert ausgeleuchtete Bild verlängert den Raum optisch auf weit mehr als die doppelte Größe. Man muss nicht einmal ausgesprochen technikaffin sein, um sich im F40 Las Brisas nicht einfach nur gut aufgehoben zu fühlen, sondern die besondere Atmosphäre dieses Ortes zu erspüren. Als Heinz Zettl uns erzählt, dass selbst der Mörtel so angemischt worden ist wie es 1911 üblich war, überrascht uns das schon nicht mehr.

Die Idee

 

Zusammen mit zwei anderen Ruheständlern, einem früheren Kollegen von Opel und einem ehemaligen Bediensteten der Stadt Rüsselsheim, überlegte Heinz Zettl nach dem Ausstieg der Stadt aus dem damit geplatzten Museumsprojekt im Altwerk, wie eine Alternativlösung aussehen könnte. Dann kam das F40 ins Spiel und die Idee nahm Gestalt an. Bei Opel sollten sich doch genug authentische Baumaterialien und Accessoires auftreiben lassen! Mit Alexander Höbig war bald ein Investor gefunden, der nicht nur die Finanzierung übernehmen wollte, sondern sich auch aktiv in das Projekt einbrachte. Nur die Speisekarte konnte nicht an Vorbildern von 1911 orientiert werden. Die Opel-Werker, die damals durch die Türen des Waschraumes gegangen sind, haben schwere körperliche Arbeit verrichtet und entsprechend reichhaltige Kost gegessen. Das Publikum heute sitzt eher am Laptop und bevorzugt einen Salat oder ein paar Häppchen, hier spanisch zubereitet, mit einem kubanischen Einschlag. Steaks gibt es aber auch.

Probieren werden wir dann beim nächsten Mal – der erste Besuch fand leider unter Zeitdruck statt. Und das nächste Ausstellungsfahrzeug kommt dann auch wieder von Opel Classic, schmunzelt Heinz Zettl – um dann in seinen bildhübschen Morris Minor Traveller zu steigen loszufahren. Kein Zweifel, der langjährige Chef von Opel Classic hat noch einiges vor.


Daten & Fakten

 Adresse:

F40 Las Brisas

Elisabethenstraße 20

65428 Rüsselsheim

Tel.: 06142-9428554

Mail: info@las-brisas.de

www.las-brisas.de

Öffnungszeiten:

Mo-Fr 11.30 bis  14.30 und 17.30 bis 23.30 Uhr

Sa, So 17.30 bis 23.30 Uhr

60 Plätze im Restaurant, 40 auf der Terrasse

Tipp: Reservierungen werden nicht angenommen und weil das F40 Las Brisas abends so gut wie immer brechend voll ist, empfiehlt sich ein Besuch zur Mittagszeit.  

Text: Stefan Heins *1662

Fotos: Stephan Lindloff

 

 

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Nach 42 Jahren wieder zurück
in Revninge!

 

Mit dem Super 6 nach Dänemark: ein Wiedersehen mit der Vergangenheit!

 

Juni 2014 bestand der Historisk Opel Klub Danmark 30 Jahre und das wurde gefeiert mit einem großen Treffen in Otterup, im Norden der dänischen Insel Fünen. Da mein Super 6 fast 60 Jahre auf Fünen gefahren ist, war das eine schöne Gelegenheit, ihn mitzunehmen und vielleicht etwas mehr über seine Geschichte zu lernen.

Als ich meinen Super 6 im Oktober 2010 in Dänemark kaufte, bekam ich einige historische Dokumente dazu. So wusste ich, das der Erstbesitzer Thorvald Johansen hieß und Bauer im kleinen Dorf Revninge war. Wie fast alle damaligen Opel auf das Insel Fünen wurde der Super 6 vom GM-Händler Holm Jensen in Odense ausgeliefert. Da die Erstzulassung erst am 4. Februar 1939 war, aber das Auto schon etwa im September 1938 gebaut worden sein muss, hat es vermutlich einige Monate beim Händler im Ausstellungsraum gestanden. Thorvald Johansen, geboren 1881, starb 1962. Danach fuhr seine Tochter Esther den Super 6 noch etwa ein Jahrzehnt, bevor er 1972 in Sammlerhand geriet. Von 1972 bis 1989 stand der Opel im Automuseum Schloss Egeskov. Später wurde er nur noch für Sommerausfahrten benutzt. Nur 75.610 Kilometer hatte der Super 6 insgesamt gelaufen, als ich ihn gekauft habe.

 

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Povl Egmose hat dieses Auto vor 50
Jahre manchmal gefahren,
jetzt darf er es noch einmal


Der Anfang der Suche

Gerne wollte ich, da ich beruflich als Historiker arbeite, mehr über die Vergangenheit meines Autos wissen. Die Suche fing im Internet an. Außer den Geburts- und Sterbedatum Thorvald Johansens und dem Geburtsdatum Esther Johansens konnte ich nichts finden über die Familie Johansen aus Revninge. Aber ich fand eine Werkstatt, Revninge Autoværksted, die laut ihrer Internetseite schon seit 1929 besteht. Da ich leider fast kein Dänisch spreche, hatte ich mit Hilfe von Google Translate eine E-Mail geschickt mit der Frage, ob jemand in der Werkstatt etwas über das Auto wisse. Bald kam eine Antwort von Michael Egmose, dem Eigentümer. Er kannte das Auto nicht, dafür war er noch zu jung, aber er hatte mal was über den Auto gehört und sein Vater und Onkel hatten das Auto während den 50er und 60er Jahre gewartet und repariert! Einen Schritt war ich also schon weiter.

Als ich später wusste, dass ich mit dem Auto nach Fünen fahren würde, habe ich Michael Egmose noch einmal kontaktiert und ihn gefragt, ob Michaels Vater und Onkel den Super 6 noch einmal sehen möchten. Selbstverständlich wollten sie das gerne. Am 10. Juni 2014, 42 Jahre nachdem der Super 6 das Dorf verlassen hat, fuhr ich ihn durch die Hauptstraße von Revninge, um die Familie Egmose zu treffen.




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Der ehemalige Bauernhof des Erst-
besitzers: hier war der Super 6
als Neuwagen zu Hause

Bauernhof

Ich wurde von Michael und seinem Vater Povl herzlich begrüßt. Povl öffnete gleich eine der Motorhauben, wie er es vor vielen Jahrzehnten so oft gemacht hatte. Er sah eine kleine Ölleckage beim Seitendeckel des Motors: “Das musste ich immer machen, obwohl es natürlich nicht schaden kann.” Nachdem der Super 6 aus allen Ecken angeschaut worden und auch die Historie der Werkstatt umfassend erzählt worden war, kam der Moment. im Auto Platz zu nehmen für eine Fahrt durch Revninge. Ich hatte Povl gefragt, ob er mir zeigen könnte, wo der Erstbesitzer gewohnt hat. Eigentlich waren das zwei Stellen: bis etwa 1950 wohnte Thorvald Johansen in einem großen Bauernhof direkt neben der Werkstatt. Nur das Wohnhaus steht noch da. Die für Fünen typischen Fachwerkscheunen wurden vor Jahrzehnten nach einem Brand abgerissen und nie wieder aufgebaut. In einer dieser Scheunen hat der Super 6 den Krieg überstanden, versteckt und zugemauert. Die heutigen Bewohner des Bauernhofes waren erstaunt, dass ein Auto, das vor 75 Jahre schon auf dem Hof gestanden hat, jetzt wieder “zu Hause” war. Selbstverständlich gaben sie mir alle Zeit, um Fotos auf dem Hof zu machen.

 



 

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Die Garage dieser Villa war von 1950

bis 1972 das Häuschen des Super 6

Keine Startkabel!

Der Hof war kurz nach dem Krieg kein bequemer Ort mehr. Daher ließ Thorvald Johansen um 1950 eine moderne Villa bauen, gerade gegenüber seines alten Bauernhofes. Zusätzlich wurde eine Garage gebaut, um seinen geliebten Opel parken zu können. Povl erzählte, dass das Haus in über 60 Jahren kaum verändert worden ist und während meines Besuches stand es zum Verkauf. Da Povl die Besitzer kannte, war es kein Problem, den Super 6 vor dem Garagentor zu parken und auch dort einige Bilder zu machen. An dieser Stelle war der Super 6 über zwanzig Jahre zu Hause. Ein Bild vom Auto in der Garage aufzunehmen war allerdings nicht möglich. Die Garage war zwar offen, aber voll mit gelagerten Möbeln. Hier hatte Povl eine amüsante Anekdote zu erzählen: "Thorvald Johansen war sehr vorsichtig mit seinem Wagen und fuhr ihn nur bei gutem Wetter. Bei schlechtem Wetter benutzte er sein Auto nicht und im Winter fuhr er gar nicht. Jedes Frühjahr war die Batterie leer. Dann wurden mein Bruder Peder und ich angerufen, um zu helfen, das Auto zu starten, aber wir durften keine Startkabel verwenden! Aus diesem Grund musste das Auto jedes Jahr von drei Männer in unsere Werkstatt geschoben werden und dort wurde dann eine neue Batterie eingebaut."




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Peder Egmose und Ejner Jakobsen haben

denSuper 6 noch als Neuwagen gesehen

Silbergrün

Am nächsten Tag bin ich nochmal nach Revninge gefahren. Dieses Mal war Peder Egmose, der Bruder von Povl, da für ein Wiedersehen mit dem Super 6. Er nahm sich die Zeit, das Auto zu bewundern, und sagte wie sein Bruder, dass es ein bisschen seltsam wäre, das Auto in blau zu sehen, während er ursprünglich silbergrün war. Aber im Inneren der Belüftungsklappen ist die ursprüngliche Farbe noch sichtbar, und Peder hat bestätigt, dass früher das ganze Auto tatsächlich diese Farbe hatte. Es war Ende der 30er Jahre ein moderner Graphitlack, mit Aluminiumpartikeln, im Grunde eine Metallic-Lackierung avant-la-lettre. Eigentlich war diese Farbe nur eine Grundierung, aber weil es gut aussah, ließen manche dänische Opelbesitzer ihre Autos nicht nachlackieren, obwohl in Dänemark jede Farbe bestellt werden könnte. Inzwischen habe ich je einen unrestaurierten Super 6 und einen ´38er Olympia in dieser Farbe gesehen, was diese Geschichte bestätigt. Peder, der einige Jahre älter als Povl ist, konnte sich noch gut erinnern, dass Thorvald Johansen Anfang 1939 ein neues Auto gekauft hatte. Peder war damals vier Jahre alt, und das Erscheinen eines neuen Autos im kleinen Dorf war ein außergewöhnliches Ereignis, das Eindruck gemacht hat. Weil der Super 6 von Thorvald Johansen gehegt und gepflegt wurde, war er lange Zeit das schönste Auto in der Gegend. Er war übrigens nicht der einzige Super 6 im Kundenkreis: bei Revninge Autoværksted wurde ein weiterer Super 6 gewartet, der aus Sibirien kam, einem zu Revninge gehörenden Dörfchen. Im Nachbardorf Ullerslev, etwa 7 Kilometer entfernt, fuhr auch ein Super 6. Zufallig gehört genau dieser Super 6 heute Rainer Wieler! Unsere Autos treffen sich also zu dieser Zeit beim Synchronachstreffen, aber sie haben sich bestimmt vor einem halben Jahrhundert auch mal getroffen!

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Originaler Kfz-
Brief
von 1939

Ein Hund

Dann besuchte die Werkstatt ein Kunde, um sein Auto abzuholen: ein älterer Herr namens Ejner Jakobsen, der früher als Dorfschmied gearbeitet hat. Er erzählte, dass seine Familie mit der Familie Johansen befreundet war und dass er als kleiner Junge oft in den Super 6 mitgefahren war. Selbstverständlich fragte ich ihn, ob er jetzt noch einmal mitfahren möchte, er liebte es offensichtlich! Er erzählte eine lustige Anekdote: "Eines Tages überquerte plötzlich ein Hund die Straße, während Thorvald über die Dorfstraße fuhr in seinem Super 6. Thorvald konnte nicht mehr bremsen oder ausweichen und überfuhr den Hund. Richtig schlimm wird es nicht gewesen sein: der Hund hat noch viele Jahre gelebt, beim Unfall allerdings ein Auge verloren.“ Wer genau hinschaut, sieht im Kühlergrill meines Super 6 eine winzige Beule. Wahrscheinlich die Folge dieses Unfalls.





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Sonnenuntergang in der Nähe
von Revninge

Ganz tolle Erfahrung

Mit dem Versprechen, ein paar Bilder zu schicken, verabschiedete ich mich von der Familie Egmose und ich konnte auf eine wunderbare Reise zurückblicken. Auf diese Weise kam die Geschichte des Autos zum Leben und wurde mehr als eine Mappe mit alten Papieren. Es war schön, die Gegend zu sehen, wo mein Auto die erste 33 Jahre seines Lebens rumgefahren ist, vor allem, weil sich dort seit dieser Zeit relativ wenig verändert hat. Vor 50, 60 oder sogar 75 Jahren konnte Thorvald Johansen durch die Windschutzscheibe des Super 6 etwa das gleiche Bild sehen, das ich gesehen habe. Und außerdem bleibt es eine fantastische Erfahrung, Leute zu treffen, die mein Auto, obwohl es mehr als 75 Jahre alt ist, noch aus der Vergangenheit kennen und sogar noch als nagelneues Auto gesehen haben! Das kann doch nicht jeder über seinen Oldtimer sagen?



Die Suche geht weiter!

Die Historie meines Autos ist fast komplett. Es gibt aber noch eine Lücke, den Zeitraum von 1972 bis 1989, als der Super 6 im Automuseum vom Schloss Egeskov stand. Irgendwann in diesem Zeitraum muss das Auto blau lackiert sein worden und die Frage ist, zu welchem Zeitpunkt. Nachfragen bei dem Museumsarchiv ergaben nichts, da es nur noch Daten ab etwa 1995 gibt. Sehr gern möchte ich Bilder haben, worauf der Super 6 als Exponat im Museum stand. Das Kennzeichen war M 4312 und die Farbe war damals entweder noch silbergrün oder schon dunkelblau. Vielleicht ist ein Mitglied der ALT-OPEL IG in den 70er oder 80er Jahren mal im Veteranmuseum Egeskov gewesen und hat den Super 6 fotografiert?

Michiel Kruijthof  *3775

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Das General Motors Werk Kopenhagen:
hier wurde der Super 6 zusammengebaut
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Ausstellungsraum von Opel-Händler
Holm Jensen in Odense. Hier stand
der Super 6 vermutlich von Herbst 1
938 bis Februar 1939
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Der Bauernhof Thorvald Johansens
in Revninge. Luftbild von 1936

 

 

 

 

 

 

 

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