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Das Titelfoto…

…hat Adam Ferrari vor dem Schloss Montebello (oder Schwyz) in Bellinzona für uns aufgenommen.

Außerdem in Heft 244: 

Report:

Jahrestreffen in Eggenfelden - Nachlese

von Stefan Heins *1662


Opel Traktorumbau aus der Schweiz
von Daniel Gillierón *2361



Technik:

Klimawandel
von Alfons Löwenberg



Unterwegs:

Klassikwelt Bodensee

von Thomas Bernhardt *29


Alt-Opel-Sonderkarossen Treffen

von Hans Martin Weber *40

Auf die Homepage übernommene Themen:       


80 Jahre Admiral ´38

Stefan Heins *1662 und Peter Jülich

Der Tessiner Kapitän

Mattia Ferrari *782


Opel Super 6, Teil 3: Gläser
Markus Dürkes *3608




Alt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Admiral 1938

…die Feier im gräflichen Rahmen – mit Insignia Grand Sport

 

 

Ende 1937 erschien Opels erster in Serie gefertigter Luxuswagen, später wegen der nach den Werksferien begonnenen Fertigung als Admiral ´38 bezeichnet. Doch 1937 ist schon das richtige Jahr für das große Jubiläum, gefeiert vor dem Adam Opel Haus, auf lauschigen Landstraßen im Rheinhessischen Hügelland und auf Schloss Westerhaus, dem Weingut der Familie von Opel. Einige Insignia Grand Sport waren auch dabei.

Was für ein Bild am bewölkten Morgen des 15.07.17 vor dem Adam Opel Haus. Sage und schreibe 12 Admiral hatten sich versammelt. Auch altgediente Teilnehmer können sich an eine vergleichbare Beteiligung nicht erinnern. Vier Limousinen, vier Werkscabriolets, zwei bei Hebmüller in Wuppertal eingekleidete Admiral, ein extrem seltenes Cabriolet mit Gläser-Aufbau – davon gibt es vielleicht noch drei oder vier weltweit – und ein ebenfalls rares Cabriolet, das der Karosseriebauer Petera in Nordböhmen aufgebaut hat. Warum überhaupt Sonderaufbauten? Einmal, weil es ging, denn der Admiral stand noch auf einem Rahmen und benötigte wenigstens unten keine Verstärkungen. Auf den zweiten Grund kommen wir 20 Kilometer später noch zurück.

Erst einmal das obligatorische Gruppenfoto inklusive Menschenauflauf. Das Jubiläumstreffen war bewusst nicht vorab betrommelt worden, es sollte im familiären Rahmen stattfinden. Doch immer wieder mussten die begeisterten Schlachtenbummler freundlich, aber bestimmt aus dem Fotomotiv komplimentiert werden. Währenddessen herzliche Begrüßungsszenen unter den Besitzern. Manche kennen sich vier Jahrzehnte und länger, andere sind ganz neu dabei, werden aber sofort in die Admiral-Familie aufgenommen. Der überstrapazierte Begriff von der verschworenen Gemeinschaft, hier trifft er zu.

Endlich geht es los. Der Admiral-Anlasser dreht langsam, lässt ein dumpfes würp-würp ertönen, und dann erklingt die typische Mischung aus äußerst leiser Mechanik, dezentem Ansauggeräusch und bassigem Auspuffton. Tatsächlich tritt der von einem wuchtigen Sechszylinder mit immerhin 3,6 Litern Hubraum angetriebene Admiral druckvoll an und die Steigungen des Hügellandes erfordern kaum jemals ein Zurückschalten. Das übrigens leise und zivilisiert abläuft, denn das Getriebe ist bis auf den ersten Gang synchronisiert. Ein dezent dosierter Hieb Zwischengas, wenn es in den Ersten geht. Das ist alles. Nur geht es nicht in den Ersten runter, weil das massive Drehmoment Steigungen einfach wegbügelt. Der Motor ist noch vom alten Schlag und stellt ab der Leerlaufdrehzahl reichlich Kraft bereit. Typische, auf Drehmoment ausgelegte Drosselmotoren hatten auch die ersten Olympia und Kapitän, doch im Admiral tritt wegen des längeren Hubs der Charakter noch deutlicher zutage.

Alt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Admiral 1938Alt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Admiral 1938

Die ersten Meter lege ich mit Josef Lummer zurück, Szene-Urgestein aus der Gegend von Paderborn, und Ehefrau Elisabeth. Seine Limousine trägt die seitlichen Zierleisten korrekt, also mit dem roten Streifen nur unten auf den seitlichen Zierleisten und schon gar nicht auf den fein ausgeschliffenen Türgriffen. Darauf legt er Wert. Aber Josef, die roten Streifen im Grill? „Die gehören da nicht hin, aber so finde ich das schön und dazu stehe ich!“ Schon wegen der prekären Ersatzteillage neigen die Mitglieder der Admiralität zu einer ebenso selbstironischen wie sympathischen Trotzigkeit.

So, Oldtimerleute vor allem der Vorkriegsfraktion sind also durchweg alte Uhus, bisschen staubig, Herrschaftswissen und so? Von wegen. Auftritt Nicole Seemann, begleitet von Freund Dirk Bellof. Nicole, Raspelfrisur mit langer blonder Strähne, dunkel geschminkte Augen, dunkel geschminkte Lippen, raffiniertes Kleid, Designerpumps, ein Bild von einer sehr modern eingestellten jungen Dame. Und jetzt bitte tief ein- und dann ausatmen: Die zierliche Nicole fährt den Admiral selbst. Warum auch nicht? Kraftfahrer hieß es zwar in den Tagen des alten Luxusliners und verglichen mit heutigen Automobilen braucht die Bedienung auch Kraft. Aber nicht so viel, dass eine zierliche junge Dame mit dem gut fünf Meter langen Admiral nicht jederzeit souverän (!) fertig würde. Rangieren im Stehen, da wird es unangenehm, aber ein kleines bisschen Gas und er rollt und es geht. Auf der Landstraße werden die relativ geringen Bedienkräfte erst deutlich. Servo gab es noch nicht, also musste es ein Lenkrad großen Durchmessers (und feiner Machart) tun. Damit lenkt es sich leicht, wenn auch ziemlich viel.

Alt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Admiral 1938Alt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Admiral 1938

Ein Zwischenfall! Die stets gutgelaunte Nicole legt die Stirn in Falten. „Was ist?“ – „Der Bremsdruck wird weniger.“ Links raus auf den Parkplatz vor der Fähre Kornsand. Experte Gerd Wohlfarth verschwindet im Fußraum. „Nicht genug Druck, fahrt so besser nicht weiter.“ Die Opel-Classic-Mannschaft wird in Bewegung gesetzt. Bremsflüssigkeit hat sie dabei, ein Leck kann sie aber auch nicht orten. Immerhin geht die Fahrt für Nicole und Dirk weiter und dem Admiral bleibt die Rheintaufe erspart. Es geht steil runter zur Fähre.

Alt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Admiral 1938

Ich steige um zu Klaus Adler ins Hebmüller-Cabriolet. Hier geht es hinten enger zu als im Werksmodell und für lange Strecken eignet sich der große Wagen nur als Zweisitzer. Eine halbe Million Kilometer hat der niemals abgemeldete Hebmüller gelaufen. Gut 100.000 hat Klaus draufgefahren. „Kürzlich waren wir damit am Neusiedler See und haben die Österreicher besucht“, erzählt Klaus, als sei es die normalste Sache auf der Welt, so etwas mit einem 80 Jahre alten Auto zu tun. Zumal Klaus 75 ist. Man merkt es weder ihm noch dem Admiral an. Die Karosserie (des Cabriolets) knarzt auf Bodenwellen leicht, Lenkung und Fahrwerk deuten aber nirgends Arbeitsbedarf an. Klaus hat einen ganz anderen Beruf gelernt, aber eine Jugend auf einer Tankstelle hat nicht nur bleibende Eindrücke hinterlassen, sondern auch profunde Kenntnisse. Zum Admiral gekommen ist er wie viele andere auch über den Kapitän ´51, als Einstiegsdroge in die Vorkriegswelt.
Nun geht es auf einer engen Straße steil bergan. Steil bedeutet in diesen Kreisen: zweiter Gang. Das will was heißen. Wir erreichen Schloss Westerhaus, das Weingut der Familie von Opel. Gräfin Ivonne und Graf Johannes von Schönburg-Glauchau begrüßen die Teilnehmer herzlich auf dem seit 1408 bestehenden Anwesen, das vor gut 100 Jahren zum Schloss ausgebaut wurde. Die Gräfin ist eine geborene von Opel und so kommt es dass auf dem Etikett des Opel-Weins von Schönburg-Glauchau steht.

Die Kinder stehen vor und neben einer Batterie Elektroöfen und machen Flammkuchen. Schnibbeln, belegen, einschießen, rausholen, verteilen. Ich habe schon Profis gesehen, die waren erheblich langsamer. Beeindruckend! Und es schmeckt derartig gut, dass es für viele nicht beim angekündigten kleinen Imbiss bleibt. Draußen tauschen sich die Admiral-Fahrer aus. Nicole und Dirk sind auch wieder dabei (und sie werden problemlos ins Ziel kommen).


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Ein Teilnehmer benötigt Starthilfe. Die Lichtmaschine des Modells war nicht eben stark ausgelegt und wer viele Verbraucher betreibt, muss sich schon mal helfen lassen. Manche Autos laufen längst mit stärker dimensionierten Lichtmaschinen. Schwieriger als das Verabreichen des kleinen Stromstoßes gestaltet es sich allerdings, die Kinder aus dem Gläser-Admiral von Frank Orschter und Anke Büttner zu bekommen. Die beiden sind zum ersten Mal dabei und ihr schöner Admiral stößt auf großes Interesse. Einen Schluck Öl wünscht der Motor, doch er bekommt einen Cocktail aus zwei Sorten. Man hilft sich eben.

Für die Rückfahrt steige ich bei Renate und Dr. Wolfgang Kern ein, die mit Österreichs einzigem (!) Admiral aus Graz angereist sind. Ebenfalls zum ersten Mal dabei und sie haben Spaß. Die Limousine läuft tadellos, aber bald zeigt sich, was es mit dem raffinierten Design der Frontpartie auf sich hat: Der Motor versorgt den Innenraum mit viel Abwärme. Deshalb trägt der Admiral oben über den Kotflügeln die bildschönen Luftauslässe, deshalb hat er zusätzlich Entlüftungsklappen vor der A-Säule. Und die vier seitlichen Drehfenster, betätigt von bildschönen, manuell bearbeiteten Kurbeln, sind auch alles andere als Luxus.

Wolfgang kommt als Oldtimerliebhaber von einem schwäbischen Fabrikat. Dann musste es ein Blitz sein, dann erfuhr er, es gab mal einen großen Opel mit einem solchen Motor. Was mochte das für ein Fabelwesen sein? Heute fährt er den einzigen Admiral ´38 in Österreich.

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Zum Schluss eine herrliche kleine Anekdote, erzählt von Klaus Adler, der freimütig einräumt, das Hobby belastet seine Finanzen doch erheblich. Sein Admiral muss daher arbeiten – als Hochzeitskutsche. „Da hast Du immer einen vollen Reservekanister dabei, trau nie der Kraftstoffanzeige!“ Liegengeblieben ist er nie, aber an einen skurrilen Zwischenfall erinnert er sich. Das Verdeckgestänge machte schlapp, das rückwärtig montierte Blumengesteck machte den Abflug, die Braut heulte bitterlich. Wo das doch Unglück bringt! Ob sie noch verheiratet ist, berichtet die Überlieferung nicht. Admiral-Fahrer hingegen bleiben treu.

Womit wir beim neuen Insignia Grand Sport angelangt sind. Er wurde von den Teilnehmern mit großem Interesse begutachtet. Er kann, wie sollte es nach acht Dekaden auch anders sein, viel mehr und verlangt viel weniger als sein betagter Vorgänger. Es gibt Ersatzteile und Fachwerkstätten. Und: man kann ihn leasen. 

Stefan Heins *1662 und Peter Jülich


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Der Tessiner Kapitän

Im Bericht über meinen Kapitän PL 2.6 (s. dZ Nr. 4/ 2015) hatte ich darauf hingewiesen, dass wir die Restaurierung des weißen Kapitäns mit Schiebedach erst in unserem nächsten Leben angefangen hätten. Diese Prognose muss hier bestätigt werden und zwar aus folgendem Grund.

Im Februar 2017 hatte Riccardo Schlee *103 uns darauf hingewiesen, dass im Tessin ein Kapitän PL 2.6 zum Verkauf stand. Er hatte sich den Wagen angeschaut, aber er wollte ihn nicht haben. Ich antwortete auf Anhieb, dass wir daran kein Interesse hatten. Dann kamen die Fotos per Mail und die Sache sah ganz anders aus als ich gedacht hatte. Vorgestellt hatte ich mir einen verbrauchten Opel der auf seine Restaurierung wartete. Davon hatten wir schon genug. Weit gefehlt! Die Bilder zeigten einen schönen Wagen in mausgrauem Kleid, mit scheinbar makellosen Chromteilen und keinen Beulen. Kontakt mit dem Verkäufer wurde unverzüglich vorgenommen und die Besichtigung auf den drauffolgenden Tag vereinbart.

Die Türen der Remise gingen auf und zum Vorschein kam ein wunderschöner Kapitän. Oh Wunder, völlig original ausser den modernen schwarzen Scheibenwischerblättern die überhaupt nicht zum Wagen passten. Das Wetter war an diesem Tag trüb und nass und Riccardo hatte mir gesagt, ein Scheibenwischer sei kaputt. Deshalb hatte ich vorgesorgt: Ich montierte auf der Stelle zwei nagelneue silbergraue Scheibenwischer SWF, die hervorragend zum Wagen passten. Dies vor einem verdutzten Verkäufer der glaubte, diese seien nicht mehr lieferbar. Nein, es war kein Geschenk. Ich wusste schon, dass der Wagen, mit seiner wunderschönen Patina, den Besitzer sowieso gewechselt hätte.

Die gründliche Inspizierung fing dann an. Die eher delikaten Stellen der Karosserie waren wie neu. Der Opel war 2011 als Oldtimer eingelöst worden. Deshalb hatte der Besitzer eine neue Wasserpumpe, neue Stoßdämpfer vorne, die Spurstangengelenke und eine komplette Auspuffanlage montiert. Dass die Bedienungsanleitung und das Serviceheftli vorhanden waren versteht sich von selbst, genau wie eine alte Karte der Schweiz die mit dem Wagen von GMS damals geliefert worden war.

Alt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Kapitän 2.6Alt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Kapitän 2.6



Der Motor lief schön und mechanisch präsentierte sich der Wagen in einem guten Zustand. Keine durchgesessenen Sitze, sondern zwei Sitzbänke aus zweifarbigem grauem Kunststoff mit intakten Türverkleidungen stellte der Wagen einladend zur Schau.

Zum ersten Mal hab ich eine normale Version gekauft, also keine „L“-Ausführung. Das schönste ist, dass dieser Kapitän vom Vater des Verkäufers bei der Garage Cremonini, einer ehemaligen - seit Jahrzehnten aufgegeben - Opel-Vertretung in Capolago TI gekauft wurde. Der Aufkleber an der Windschutzscheibe belegt dies. Einer der letzten P 2.6 also. Seitdem blieb der Wagen in der Familie und wurde nicht einmal 68.000 km gefahren. Der Sohn machte seinen Führerschein damit. Typisch für die damaligen Verhältnisse sind die zwei mitgelieferten Winterräder. Bis in die 70er Jahre waren Winterpneus nur dazu da, um Traktion zu gewährleisten und deshalb wurden sie nur auf der Antriebsachse aufgezogen. Hab ich selber immer so gemacht ausser bei meinem Kapitän mit den Esso-4-Season-Pneus. Diese schlechte Gewohnheit wurde zum Glück aufgegeben.

Der neuerworbene Kapitän wurde einige Tage später abgeholt. Er bekam sofort vier Weisswand-Pneus (die wurden schon damals als Extra beim Neuerwerb bestellt) mit vier Radzierringen et voilà, der Scheunenfund war bereit, viel Freude einem jungen Fahrer zu bereiten, der lange darauf gewartet hatte. Ein Wagen zum Verlieben, so ist der Kapitän ebenfalls für junge Leute, auch in Standardausführung. Adam hat sich mit ihm sofort zurecht gefunden und keine Mühe beim Fahren gehabt, auch nicht mit dem 3-Gang-Getriebe. Von der Elastizität des Motors war er völlig überrascht. Dass Adam vom Kapitän so begeistert war, war für mich eine schöne Genugtuung.

Der Verkäufer wollte unbedingt den Wagen einem Liebhaber verkaufen. Die Montage der korrekten Scheibenwischer war da ausschlaggebend und wir wurden schnell einig. Ich wollte jedoch mehr über den ersten Besitzer wissen um eine komplette Historie des Wagens zu haben. So kam es heraus, dass der Großvater des Verkäufers vom Comersee – genauer gesagt vom Zweig vor Lecco des Comersees – nach Balerna TI wanderte und dort eine Fuhrhalterei aufbaute.

Alt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Kapitän 2.6

Personen und Waren wurden mit den Pferden befördert. Der Vater und die Söhne waren unternehmungslustig und bald kamen ein Ford LKW und ein Dodge Lastwagen aus ehemaligen US-Armee-Beständen hinzu, die sie beim Zollfreiamt (bei uns Punto Franco genannt) erwerben konnten. Das Geschäft florierte. Die Familie erweiterte die Tätigkeiten mit einem Gasthaus („Roma“ genannt), einem Taxi- und Bus-Betrieb und sogar mit einem Bestattungsinstitut.

Unser Kapitän wurde vom Vater des Verkäufers hautsächlich als Taxi eingesetzt. Scheinbar beschränkten sich die Taxi-Fahrten in der Umgebung von Chiasso: Die geringe Laufleistung lässt es vermuten. Früher hatte die Familie einen schönen 1947er Buick gehabt, wo unser Verkäufer und seine Schwester das Autoradio am Sonntag einschalteten um eine damals sehr bekannte Sendung von „Radio Monteceneri“ auf MW anzuhören.

Wir hatten den Kauf eines Kapitäns gar nicht vorgesehen. Wie Adam jedoch richtig meint, den konnten wir nicht verpassen. Haben wir nicht und wir sind sehr glücklich damit. Der „Tessiner“ Kapitän bleibt somit in unserem Kanton erhalten. Noch eine Kleinigkeit. Bei der ersten Inverkehrsetzung 1963 bekam der Kapitän das amtliche Kennzeichen TI 10366 (das sehr wahrscheinlich schon seit Jahren in der Familie des Käufers war). Heute trägt er TI 10780. Als ob wir es gewusst hätten! Der Wagen war prädestiniert.

Mattia Ferrari *782


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Alt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Super 6 von Gläser

Karosserien von Gläser

Im Jahr 1864 begann der Sattlermeister Heinrich Gläser in der Rampischen Straße 6, Dresden, mit dem Bau von Kutschen und Schlitten. Offenbar auf Anhieb erfolgreich, denn bereits um 1890 ließ er den Wagenbauer Emil Heuer in Radeberg Aufbauten zuliefern. 1898 stieg Heuer in das Unternehmen an, um es nach dem Tod des Gründers 1902 ganz zu übernehmen. Der zweite Standort in Radeberg blieb erhalten und ab 1905 begann die „Luxuswagenfabrik Heinrich Gläser“, auch Automobile einzukleiden. Die frühen Jahre des Automobils sind stürmisch verlaufen, Plagiate waren an der Tagesordnung. Gläser verlegte sich auf heute abenteuerlich wirkende Lösungen wie die sogenannten Aufsatzlimousinen. Sie konnten offen und geschlossen gefahren werden. Einleuchtender erschien die 1908 erstmals gezeigte Kurbelfenstermechanik, für deren Vermarktung Gläser 1912 mit einem Partner namens Pintsch eigens ein Unternehmen namens Deutsche Neverfail Patentkurbelfenster GmbH gründete.

Über Gläsers Aktivitäten während des Ersten Weltkrieges ließ sich nichts herausfinden. 1918 rückte Georg Heuer, der älteste Sohn des Inhabers, die Leitung des Unternehmens. Geprägt vom Studium in Paris setzte sich der Junior auf gleich drei Gebieten ein und begann, das Profil des Unternehmens zu entwickeln. Typisch für Gläser wurden dauerhaft elegante Cabriolets, aber auch die effiziente Fertigung in Kleinserien. Nicht durchsetzen konnten sich hingegen die von Paul Jaray entworfenen und bei Gläser gefertigten Stromlinienkarosserien auf verschiedenen Fahrgestellen.

Alt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Super 6 von GläserAlt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Super 6 von GläserAlt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Super 6 von GläserAlt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Super 6 von GläserAlt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Super 6 von GläserAlt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Super 6 von GläserAlt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Super 6 von GläserAlt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Super 6 von Gläser

Erstaunlicherweise hat Gläser früh auf Arbeitsteilung gesetzt und Blechteile von Zulieferern bezogen. Große Cabriolets wurden zum Markenzeichen, GM mit den Marken Cadillac, Buick und Chevrolet ab 1927 zum Großkunden. In diesen Jahren begann aber auch die Limousine aus Stahlblech den offenen Tourer als Volumenmodell abzulösen. Alt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Super 6 von GläserEin eigenes Presswerk hatte Gläser nicht und um mithalten zu können, setzte der Karosseriebauer auf Kunstleder nach Weymann-Patenten. Das sparte Gewicht, aber auch Herstellaufwand, zumal das Material nicht lackiert werden musste. Wanderer und Steyr orderten nun Kleinserien in für die Zeit erstaunlichen Stückzahlen. Daneben wurden aber auch luxuriöse Unikate auf Fahrgestellen von Daimler-Benz, Maybach, Alfa Romeo und Röhr.

Alt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Super 6 von Gläser

Teils brachten es auch diese Modelle zu kleinen Serien. Hauptgeschäft blieb aber die Serienfertigung von gediegenen Cabriolets für verhältnismäßig große Hersteller wie Wanderer, Adler, Hanomag, Ford und auch Opel. Cabriolets von Gläser galten als ebenso elegant gezeichnet wie solide gefertigt und so erreichte das Unternehmen eine große Stellung in einer kleinen Nische. Auf Ausstellungen beherrschten Cabriolets das Bild, im Straßenverkehr lag ihr Zulassungsanteil niedrig. Georg Heuers Drang zur Rationalisierung war daher alles andere als Selbstzweck.

1932 geriet Gläser in erhebliche Schwierigkeiten und am 21.07. beging Georg Heuer Suizid. Da lag der Konkurs des renommierten Unternehmens einen Monat zurück. Heuers Schwiegersohn Willy Bochmann übernahm schrittweise das aus der Konkursmasse entstandene Nachfolgeunternehmen.  

Bei Kriegsausbruch 1939 beschäftigte Gläser in Dresden und Radebeul rund 1.500 Mitarbeiter. Im Krieg wurde die Belegschaft auf 2.500 Mitarbeiter gesteigert, bis die verheerenden Luftangriffe auf Dresden am 13. Und 14.02.45 das dortige Werk dem Erdboden gleich machten.

Inhaber Bollmann kehrte aus dem Internierungslager des Sowjets nicht zurück. Das Unternehmen wurde enteignet und Teil des VEB Karosseriebau Dresden. Zuletzt wurde dort der Wartburg Tourist genannte Kombi gebaut. Seit 1994 firmiert der Betrieb als Karosseriewerke Dresden GmbH und arbeitet als Zulieferer.

Erich Heuer gelang es nicht nur, kurz vor dem Ende des Krieges in den Westen zu flüchten, sondern er hat sogar Maschinen und Werkzeuge nach Neustadt an der Aisch mitnehmen. Doch die Kunden in Sachsen und Thüringen fehlten und der Versuch, gemeinsam mit der Karosseriefirma Reutter als Porsche-Partner zu reüssieren, schlug fehl. 1952 gab Erich Heuer auf.

Gläser-Aufbauten für den Opel 2 Liter und Super 6

Markus Dürkes und Rainer Wieler haben recherchiert. Hier sind ihre Ergebnisse, angesprochen sind allein die von Gläser eingekleideten Zweisitzer:


Aktueller Bestand:


Derzeit bekannt aus der Liste von Rainer Wieler:


• 37er Modell: 9 Stk (mit meinem)
• 38er Modell: 11 Stk
• 2 Liter: 1 Stk


• Summe Super 6: 20 Stk
• Summe 6 und Super 6: 21 Stk.

Derzeit bekannt von Fotos:


• 37er Modell: 7 Stk (mit meinem)
• 38er Modell: 8 Stk
• 2 Liter: 2 Stk


• Summe Super 6: 15 Stk
• Summe 6 und Super 6: 17 Stk.


Sonstiges:
Eine Liste zu allen seinerzeit (November 2009) bekannten Karosserienummern von Gläser verschiedenster Automarken (die vorhin geschickte Liste über Opel ist darin auch (abgespeckt) mitverarbeitet) hat Axel Preuß aus Mannheim zusammengestellt.Alt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Super 6 von Gläser


http://70724.homepagemodules.de/file.php?url=http%3A%2F%2Ffiles.homepagemodules.de%2Fb70724%2Ff2t112p9932326n1.pdf&r=1&content=RE%3A+Gl%26auml%3Bser-Numerierung


http://70724.homepagemodules.de/file.php?url=http%3A%2F%2Ffiles.homepagemodules.de%2Fb70724%2Ff2t112p9932326n2.pdf&r=1&content=RE%3A+Gl%26auml%3Bser-Numerierung

Durch das „Gläserforum“ bin ich zudem auf Herrn Preusche gestoßen. Er verfügt über originale Unterlagen mit verschiedenen Datenkarten von Opel aus der Zeit 1936-1937 (siehe Anlage). In den ihm vorliegenden Originalunterlagen stehen die Gläserseriennummern/Stückzahlen, die Fahrgestellnummer, die Motornummer, von wem das Fahrgestell und für wen geliefert wurde, die Ausstattung, die Farbe, die Polsterung und über Sonderwünsche. Teilweise auch, welche Garantiearbeiten durchgeführt wurden. An das Material in Gänze zu kommen ist nicht einfach, weil Herr Preusche datenschutzrechtliche Schwierigkeiten sieht.
All das zusammen ergibt derzeit (!) folgendes Bild: Relativ gesichert können wir heute davon ausgehen, dass vom Opel Super 6 mit „Roadster-Karosserie“ in den Jahren 1937 und 1938 insgesamt 400 Stück hergestellt wurden.


Alt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Super 6 von GläserAlt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Super 6 von GläserAlt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Super 6 von Gläser



Alt Opel IG Der Zuverlässige 244 - Super 6 von Gläser

Ein Karosserie-Nummernschild von einem Opel Super 6 Gläser von 1938 gibt folgende Informationen:

 
Erste Zeile: Produktionsserie (nicht Stückzahl)/ laufende Nummer der gebauten Wagen aus dieser Serie.


Zweite Zeile: Fertigstellungsdatum: hier: 08. August 1938


Die erste Zeile zeigt also, dass die erste Zahl (hier die 37) die Produktionsserie ist und die zweite Zahl hinter dem Schrägstrich die Stückzahl.

Die Nummer hinter dem A gibt das genaue Fertigstellungsdatum an (Jahr, Monat, Tag).
Jede neu angelegte Serie wurde im Laufe der Zeit aufgefüllt bis max. Nr. 99 (meines Wissens nach gibt es keine 3-stelligen Ziffern hinter dem Schrägstrich). Die Serien hatten in Regel Stückzahlen: 25, 50, 75 oder 99 – Für den Super 6 als „Großserienwagen“ wahrscheinlich immer 50, wie bei der Serie 169 nachgewiesen.

Der Zeitaufwand zwischen Anlieferung des Fahrgestelles und Auslieferung des fertigen Fahrzeuges dürfte wohl um die zwei Wochen betragen haben.


1. 1937 wurden wahrscheinlich drei Serien á 50 Aufbauten gebaut (Serien-Nr. 169, 192, 8)


• Serie 169: Zeitraum: 02/37 – 04/37. Bekannter Wagen: OPEL-SUPER 6 = 169/43 (März 1937) – Werksunterlagen vorhanden, Wagen verschollen, kein „Überlebender“ aus dieser Serie derzeit bekannt


• Serie 192: Zeitraum 05/37 bis 09/37 – Werksunterlagen vorhanden – kein “Überlebender“ aus dieser Serie derzeit bekannt.

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• Serie 8: Zeitraum 09/37 – 12/37 OPEL-SUPER 6 = 8/9 A 371018, gebaut also am 18.10.1937 – Wagen bekannt (Takats)

2. 1938 wurden wohl fünf Serien gebaut (Serien-Nr. 25, 27, 29, 32 (oder 31?) und 37).


• Serie 25: OPEL-SUPER 6 = 25/26 A 38 03 22 (Remmele/ Radl 59)


• Serie 27: OPEL-SUPER 6 = 27/11 A 38 04 27 - Ausführung: Kofferraum, Türen vorne angeschlagen, Fenster ohne Rahmen (Gerd Hindriks)

• Serie 27: OPEL-SUPER 6 = 27/5 A 38 06 02 (Hendrix)

• Serie 29: OPEL-SUPER 6 = 29/31 A 38 07 06 (Hendrix)

• Serie 31 (oder32): OPEL-SUPER 6 = 31 (oder 32?)/14 A 38 06 (Bercie - großer Kofferraum, Quersitz, Türen vorne)

• Serie 37: OPEL-SUPER 6 = 37/8 A 38 08 08 (derzeitiger Standort Litauen - Notsitzbank, Türen vorne) und ?/? A 381022 (Hanenbergh-großer Kofferraum, Türen vorne, kein Seitenscheibenrahmen)


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Wahrscheinlich hatten alle Serien 50 Stk. Daraus würde folgen: Mindestens 400 wurden gebaut.

In Summe wurden also nach derzeitiger Erkenntnis 400 Stück gebaut – es werden immer mehr! Wenn ich dann irgendwann bei 800 Stück ankomme, bin ich auf dem Holzweg, denn bei mehr Aufbauten als von Opel ausgelieferten Fahrgestellen wird es seltsam.
Gläser baute seinerzeit rund 200 – 250 (!) Karosserien im Monat, davon rund 80% für zivile Zwecke. Somit hatte in 1937/1938 der Super 6 Gläser einen Anteil von rund 10%.

Anmerkung: Das alles betrifft nur die Sportwagenkarosserie (Roadster). Viersitzer-Zweifenster und Viersitzer-Vierfenster sind dabei nicht berücksichtigt. Beim Viersitzer-Vierfenster Gläser gab es in 1937 zumindest eine Serie (Nr. 237), mit mindestens 10 gesicherten Fahrzeugen.

Markus Dürkes *3608


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