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Der Ascona Voyage vor dem Museumseingang kommt aus der Sammlung von Matthias Mutter

 

45. Internationales Jahrestreffen in Bad Waldsee

 

Prolog Teil 1

„Also habe ich mir Bad Waldsee mal angesehen und bin mit Thomas Bernhardt eine Pizza essen gegangen“, erinnert sich Heiner Schnorrenberg.

 

Prolog Teil 2

Ein Hoch auf Opel oder ein OPEL-Hoch?

 

Es ist der Juni 2015, gerade habe ich beschlossen, meine Ehrenämter mit Ablauf der Wahlperiode zurückzugeben, um einfach mehr Zeit für die Familie und Hobbies zu haben. Da ruft Thomas Bernhardt mich an und teilt mir mit: „Mensch Peter, ich komme gerade vom Jahrestreffen in Speyer zurück und stell dir vor, wir haben das große Los gezogen, wir richten das nächste Alt-Opel Jahrestreffen in Bad Waldsee aus. Ich brauche dich im Orga-Team.“ Rums, auf einen Schlag zog meine vermeintlich soeben gewonnene Freizeit wieder dahin. Aber es ist eine große Sache, so ein Jahrestreffen hier vor der Haustür stattfinden zu lassen, wann hat man diese Gelegenheit wieder. Das letzte Alt-Opel- Treffen in der Region war 1983, da fuhr ich noch Kadett C.

Also liebe Familie, so ganz kann ich Euch die gewonnene Freiheit nicht weitergeben, ein Teil muss in die Vorbereitungen für das Treffen 2016 investiert werden, aber danach habt ihr meine ungeteilte Aufmerksamkeit. Naja, die Bodenseeclassic in Friedrichshafen steht dann im Juni 2016 an, aber das ist ja alles noch weit weg.

Jetzt geht es erst einmal darum, Grundlagen zu schaffen, was ist schon vom Vorstandsteam organisiert, was muss noch organisiert werden und wer übernimmt welche Aufgaben. Schnell stehen die Eckpunkte wie Standort (neudeutsch Location) fest, direkt am Hymer-Museum in Bad Waldsee. Eine tolle Lage mit ausreichend Stellplätzen für die Fahrzeuge und auch für den Teilemarkt. Kurz danach wird auch mit dem Eigentümer der in 200 Metern Entfernung liegenden Viehversteigerungshalle vereinbart, dass auf seinen Parkplätzen ein Campingdorf entstehen wird und die Trailer dort abgestellt werden können.

Es stellt sich heraus, dass für den Campingplatz mit rund 100 Wohnwagen, Wohnmobilen und Zelten die Stromversorgung dort überhaupt nicht gegeben ist. Also Elektriker geschnappt und vor Ort eine Lagebesprechung durchgeführt. Auf die Frage des Elektrikers, wie viel Strom wir dort brauchen erst einmal Ruhe. Es geht ans Rechnen, pro Steckdose Wohnwagen max. 6 Ampere, soviel bekommst Du auch auf den gängigen Stellplätzen in Italien. Nächste Frage, wie viel Strom brauchen die Dusch- und WC-Container? Puh, müssen wir klären.

Zwischenzeitlich hatten wir mit einer Firma bereits einen Vertrag für die Anmietung von drei Dusch- und WC-Container geschlossen. Die Antwort über den Stromverbrauch brachte auch den Vermieter kurz ins Grübeln.  Zwei Tage später kam die Antwort, er braucht eine Starkstromsteckdose mit 400 Volt. Aha, und was heißt das jetzt in Verbrauch? Also wieder als Nichttechniker mit dem Elektriker auseinandergesetzt. Er hat eine Berechnung aufgestellt und danach mit dem Stromversorger gesprochen. Nach mehreren Wochen und Gesprächen mit dem Versorger konnte dann die Aussage getroffen werden: ja es klappt und er wird fristgerecht in der Woche vor dem Treffen die Stromversorgung aufgebaut und aktiviert haben. Super, das Thema konnten wir abhaken, nächste Baustelle, wer putzt eigentlich die Duschen und WCs während der vier Tage? Also haben wir uns schlau gemacht und den Reiniger des Hymer-Museums beauftragt, die Duschen und WCs auf dem Campingplatz zu reinigen. Da die Reinigungskräfte nur über die Straße laufen mussten, sollte dies gut klappen und es war auch durch diese kurzen Wege relativ kostengünstig.

Anfang März haben Thomas Bernhardt und ich uns mit Matthias Goebel und Thomas Eichhorn nochmals in Bad Waldsee getroffen, um vor Ort noch die offenen und bereits abgearbeiteten Punkte durchzusprechen. Wir fühlten uns auf einem guten Weg.

14 Tage vor dem Treffen sind dann vom Elektriker die Stromverteilerkästen aufgestellt und miteinander verkabelt worden, es fehlte nur noch der Anschluss an den Verteilerkasten durch den Stromversorger.

Eine Woche vor dem Treffen am Sonntagmorgen um neun Uhr treffen wir uns bei Thomas Bernhardt zu Hause, um die Startertaschen zu packen. Es wurden uns Helfern wahre Horrorgeschichten über diese Arbeit erzählt. Da sitze man bis zu acht Stunden daran, um alles in die Taschen einzupacken. Na gut, kurzes Nachdenken (neudeutsch: Brainstorming), dann ging es los und wir waren in dreieinhalb Stunden fertig!! Wir fühlten uns großartig, das ging doch ganz leicht.

Aber ein großes Thema hatten wir immer nicht gelöst, wie wird das Wetter zum Treffen.

Montag, eine Woche vor dem Treffen: Stadtführung organisiert, Containeraufstellplatz auf dem Campingplatz nochmals fixiert und besprochen.

Dienstag (eine Woche vor dem Start): morgens, sieben Uhr und die Welt ist nicht mehr in Ordnung, wir haben zehn cm (!) Neuschnee und es schneit weiter. Thomas denkt schon kurzfristig darüber nach, über den ADAC Schneeketten für die Teilnehmer auszuleihen.

Sonntag, 1.Mai, eigentlich der Tag unserer traditionellen ersten Oldtimerausfahrt nach Schloss Zeil, als Saisoneröffnung. Aber das Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung, Regen, Regen und nur 5 Grad.

Das Wetter will uns wohl in den Wahnsinn treiben, aber wir arbeiten unermüdlich an dem Problem, dass wir schönes Wetter zu unserem Jahrestreffen haben wollen. Am Mittwochabend, nachdem der Tag  im Zeichen der Anbringung von Hinweisschildern, dem Errichten von Absperrungen, dem Holen des Ascona A Voyage von Matthias Mutter (steht vor dem Museum) und vier Autos von dem Autohaus Paul Firley aus Aulendorf (die die Wege zumachen) haben Thomas und ich die letzte Telefonkonferenz zu dem Thema Jahrestreffen (die gefühlte 99. Telefonkonferenz).

Und, es ist klar, wir haben das Problem Wetter gelöst. Pünktlich zum Donnerstag dem Start des Alt-Opel-Treffens haben wir ein sagenhaftes OPEL-Hoch aus dem Hut gezaubert. Keiner hat es mehr für möglich gehalten! Inzwischen ist auch Thomas Eichhorn mit seinem Team aufgeschlagen und hat den Campingplatz unter seine Fittiche genommen. Alles ist perfekt, Duschen gehen, WC geht, Strom... geht. So gehen wir vom Orga-Team beruhigt ins Bett und träumen von einem sonnigen Jahrestreffen.

Donnerstagmorgen, der große Tag beginnt mit strahlenden Sonnenschein und wird für uns Südländer nur etwas von dem starken Nordostwind etwas getrübt. Aber der Wind war eigentlich Absicht, damit sich unsere norddeutschen Freunde wie zu Hause fühlen. Wie sagte ein Altopler aus Lübeck, „eine steife Brise habt ihr hier“.  Am Freitag haben wir dann den Wind abgestellt. Der eine Tag musste ausreichen, damit unserer norddeutschen Freunde sich akklimatisieren konnten.

Einen Wermutstropfen hatte das schöne Wetter jedoch. Thomas verwandelte sich am Donnerstag in eine Rothaut und die anderen kamen nur wenig besser davon. Aber sei es drum, die Strapazen der Vorbereitung waren vergessen, als die ersten Autos ankamen und wir Sie herzlich in Bad Waldsee begrüßen durften.

Für uns vom Orga-Team waren es wundervolle Tage bei dem Alt Opel Treffen 2016 in Bad Waldsee und es hat uns sehr gefreut, dass so viele Mitglieder dem Ruf aus nah und fern (ein Teilnehmer kam sogar aus Finnland) gefolgt sind. Wir hoffen es hat Euch auch gefallen?

Übrigens wisst Ihr, warum in dem Campingdorf alles so gesittet zuging? Claudius Kahl hat allen gesagt, ab acht Uhr abends keine Musik mehr hören und nur im Flüsterton miteinander reden, hat einfach wunderbar geklappt.

Jetzt nach den tollen sonnigen Tagen freuen wir uns darauf, beim nächsten Jahrestreffen in Eggenfelden bei Alain Camus und seinen Mitstreitern dabei sein zu dürfen. Und wenn Fragen zu Organisation anstehen, liebe Freunde aus Eggenfelden, stehen wir Euch gerne mit Rat und Tat zur Seite.

 

Peter Kühndel *4172

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3_265Das Orga-Team vor dem Start (und vor dem Sonnenbrand)

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4 PS und Kapitän ´39 in Bad Waldsee

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Perfekt – der Blitz von Willi Thommen

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Ranger aus der Schweiz. Der GTS war das Spitzenmodell

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GT

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Bitter Adam und SC



 

 

 

11_265Kadett mit Autogramm

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Olympia ´38 im Hymer-Museum

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Diplomat A Cabriolet vor dem Hymer-Museum

 

Mittwoch


Nach den üblichen Staus um Köln und Stuttgart herum steigt die Spannung – die B30 windet sich auf Bad Waldsee zu. Ein Industriegebiet, die obligatorischen Rudolf-Diesel-, Robert-Bosch- und Felix-Wankel-Straßen, nüchterne Zweckbauten, Landmaschinenhandel und vor allem Hymer, überall Hymer. Hymer-Fertigung, Hymer-Verkauf und auf dem höchsten Punkt das Erwin-Hymer-Museum mit seiner markanten Architektur.

Der in Bad Waldsee geborene Erwin Hymer hat nach seinem Studium des Maschinenbaus an der Entwicklung des Kleinwagens Dornier Delta mitgearbeitet und 1957 zusammen mit dem Konstrukteur Erich Bachem die Firma Eriba aufgebaut. Auf Hymer und Bachem geht der legendäre Eriba Puck zurück. Eine größere Version wird immer noch hergestellt. 1961 entstand in Bad Waldsee das erste Wohnmobil auf Borgward-Basis. Die Hymer-Gruppe entwickelte sich zum Konzern mit heute mehr als 2.700 Beschäftigten.  

Doch Erwin Hymer hatte nicht nur die Arbeit im Sinn. Nebenher sammelte er Wohnwagen und –mobile, die lange über einige Scheunen verteilt aufbewahrt wurden. 2007 verließ er den Aufsichtsrat und widmete sich der nach ihm benannten Stiftung. 2011 wurde das Museum eröffnet, das einen Teil der Sammlung für die Öffentlichkeit zugänglich macht und die Entwicklung vom simplen Wohnwagen der dreißiger Jahre zum Wohnmobil der Gegenwart nachzeichnet.

Doch am Mittwochabend ist weder jemand im Museum noch unsere Anmeldung des Jahrestreffens schon besetzt. Daher fahren wir weiter in die Stadt. Der Ortskern von Bad Waldsee liegt zwischen zwei Seen, dem erschlossenen Stadt- und dem kaum zugänglichen Schlosssee. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 926, die Erteilung der Stadtrechte 1298. Landwirtschaft und Getreidehandel prägten lange das Wirtschaftsleben. In den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts begann sich um das Moorheilbad herum der Fremdenverkehr zu entwickeln. In der lauschigen Altstadt stehen Häuser aus dem 15. Jahrhundert. Das 1426 erbaute Rathaus ist ein Wahrzeichen der Stadt, die am Mittwochabend vor sich hindämmert.

Immerhin stehen sie in Oberschwaben zu ihrer Regionalküche. Zwar gibt es das obligatorische Schnitzel und den ebensolchen Pizzabäcker, aber wer möchte, kann tagelang die schwäbische Küche probieren, ohne Wiederholungen in Kauf nehmen zu müssen. Spätzle und Knöpfle, Maultaschen, Krautkrapfen, Kutteln, Flädlesupp und Gaisburger Marsch. Deftig und gehaltvoll. Beim anschließenden Rundgang bestaunen wir die uralten Fachwerkhäuser, einige noch mit Kran und Lagerräumen oben. Es gibt die unvermeidlichen Nippes-Geschäfte, aber auch einen Maßschneider und einen Schuster, der Pantoffeln aus Pappelholz und Rindleder herstellt. Im Rahmen einer alten Tradition, wie sich später herausstellt.

Am Bitter SC Sedan von Ben de Wilde, der wieder die meisten Bilder zu diesem Beitrag fotografiert hat, prangt der unvermeidliche Zettel: „Ich interessiere mich für Ihr Auto, bitte rufen Sie mich an!“ Der untaugliche Versuch, Teil 96. Nach und nach füllt sich das Hotel mit Alt-Oplern. Großes Hallo. DJ Robin Schulz (Ben) bringt Kati Schnorrenberg Faxen bei, DJ President (Heiner Schnorrenberg) trägt es mit Fassung.

Donnerstag


Erneut großes Hallo an der Anmeldung im Hymer-Museum. Spaßvögel bringen das Juxwort des Treffens in Umlauf: Hymerhygel. Auf der so bezeichneten Anhöhe zieht es diesen Morgen wie Hechtsuppe. Der kalte Wind wechselt immer wieder die Richtung. Ein Phänomen, das die durchweg sehr freundlichen und hilfsbereiten Mitarbeiter des Museums zwar lange kennen, aber nicht erklären können. Das Museum bietet nicht nur eine schöne Fassade, auch die Inneneinrichtung verrät Stil und Geschmack. Das Mobiliar kommt von Vitra in der Schweiz. Alles wirkt edel, aber unaufdringlich. Doch wegen des zwar sonnigen, aber kühlen Wetters starten wir erst einmal einen Abstecher zum Bodensee. Eine offenbar naheliegende Idee – schon in den Ortsdurchfahrten wird der Verkehr immer wieder zäh, vor Lindau beginnt dann ein langer Stau. Die wenigen freien Parkplätze sind ein gutes Stück von der Insel Lindau entfernt. Doch die Lauferei lohnt. Die Altstadt auf der Insel erweist sich als sehenswert und mit Methoden, die man im Schlussverkauf lernt, ergattern wir Plätze mit Blick auf den See. Gegenüber sehen wir Gloria von Thurn und Taxis. Sie uns aber nicht. Der Raddampfer Hohentwiel schaufelt sich durch die Hafeneinfahrt, am azurblauen Himmel schwebt ein Zeppelin. Maybach, Wankel, ZF – die Bodenseeregion blickt auf eine lange Technik-Tradition zurück. Spektakulär der Blick auf die Alpen. In der Frühlingsluft sind sie kristallklar zu sehen. Die Palmen vor den Lokalen sorgen für eine subtropische Atmosphäre, die mit den schneebedeckten Gipfeln einen starken Kontrast bildet.

 

 

 

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Raddampfer „Hohentwiel“

 

 

 

 

17_265Opel übereinander in der Sammlung von Matthias Mutter

18_2654 PS mit Puppe

19_265Erich Bitter begutachtet einen Kadett Aero

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„Panorama-Treffen“ – die Typgruppe war stark vertreten

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Auch der Commodore A trat im Rudel auf



Freitag


Zusammen mit Gisela Jahn und Erich Bitter starten wir einen Rundgang über den Parkplatz vor dem Museum, der sich mehr und mehr mit alten Opel füllt. Erich Bitter signiert die Motorhaube des von Winfried Leweling zum Cabrio umgebauten Kadett D. Sein trockener Kommentar dazu: „Bisschen Klarlack drüber und nicht mehr waschen.“ Es folgt der gemeinsame Rundgang durch das Museum. Die Exponate sind chronologisch angeordnet. Es geht durch die dreißiger Jahre in den ersten Stock. Dort stehen progressive, pfiffige, aber auch skurrile Wohnwagen – entstanden in einer Zeit, in der der VW Käfer der Maßstab war, an dem sich die Anbieter orientierten. Die Anhängelast der meisten Autos in den Wirtschaftswunderjahren hielt sich in Grenzen und so suchten die Wohnwagenbauer Lösungen zur Reduzierung von Stirnfläche und vor allem Gewicht. Vom ersten Stock aus hat der Besucher einen herrlichen Blick auf die Alpen. Weiter geht es durch die sechziger und siebziger Jahre bis in die Gegenwart, die im Erdgeschoss gezeigt wird. Wohnwagen und –mobile, ein Riesenthema, viel größer als es uns vor dem Museumsbesuch bewusst war.

Weiter geht es nach Bermatingen, zu Matthias Mutter, der seine fantastische Sammlung für Besucher aus der Alt-Opel IG geöffnet hat. Muttertag! Vom 4/20 PS über seltene Caravan-Modelle (Olympia ´51, ´57) bis zu Raritäten wie dem Diplomat A Coupé, dem Diplomat B in der Langversion und in der Ausstattung für den diplomatischen Dienst bis zum Monza Cabrio von Keinath gibt es hier Autos zu sehen, die auch dem abgebrühten Betrachter die Kinnlade runtersacken lassen. Der Zustand ist durchweg gut bis hervorragend und die liebevolle Präsentation rundet das stimmige Bild weiter ab.

Die Antwort auf die Frage nach einem Speiselokal beendet die Tagträume dann abrupt. So idyllisch die Dörfer und Kleinstädte in Oberschwaben auch wirken mögen: Wo der Tourismus nicht für Arbeit sorgt, grassiert die Landflucht und so kommt es, dass es in Bermatingen kein Restaurant mehr gibt. Ben de Wilde weiß Rat. „Fahrt mir hinterher!“

Flott wuselt der lange SC Sedan durch die Kurven, und die teils starken Steigungen meistert der Dreiliter erstaunlich souverän. Wir erreichen den Berggasthof Höchsten in Ilmensee. Auf gut 800 Metern Höhe hat der Besucher einen fantastischen Blick über den Bodensee und die Alpen und der Wirt lässt sich den Panoramablick nicht einmal vergolden.

Zurück nach Bad Waldsee geht es zunächst über Nebenstraßen. Auf der Bundesstraße dann wieder ein Stau nach dem anderen. Wie mag es den Mitgliedern mit den Vorkriegsmodellen unter diesen Bedingungen gehen?

In Bad Waldsee werden Holzschuhe hergestellt. Pappelholz mit Gummiauflage, Rinderleder, teils mit Puschelfell. Nicht nur originell, sondern auch überraschend bequem. Auch einen Maßschneider gibt es. Die ausgestellten Anzüge wirken ebenso altmodisch wie die Einrichtung. Unwillkürlich blickt man sich um, doch weder Derrick noch Consul Weyer lassen sich sehen. Wir fahren wieder zum Museum. Gudrun und Wolfgang Renner sind mit dem wackeren Super 6 durch Schotttland gefahren, 4.600 Kilometer auf Straßen, Schotterpisten, Feldwegen, durch Regen, Sturm und Nebel. Ein ausführlicher Bericht folgt in einer der kommenden Ausgaben.

Gesprächsthema Nummer 1 beim Typgruppenabend ist ein Ur-Olympia, dessen grünes Kennzeichen den Einsatz in der Landwirtschaft bis ins Jahr 1991 dokumentiert. Als vordere Stoßstange dient ein unter dem Kühler waagerecht befestigtes Rad, im Innenraum hängt ein zerschossener Helm. Überall Rost. Doch niemand, den wir fragen, weiß näheres über diesen Scheunenfund.

Da dieses Jahr nicht viele Vorkriegs-Opel dabei sind, „fusionieren“ die Typgruppen kurzerhand. Stark vertreten sind sie Mitglieder aus der Schweiz, die vor allem mit Commodore A, Panorama-Rekorden und –Kapitänen und Senatoren angereist sind, aber auch mit KAD A und B. Überragend der von Willi Thommen restaurierte Blitz.

Wer keinen Grund hat, seinen Typreferenten zu befragen, setzt sich draußen vor das Museum und sieht dem Kommen und Gehen zu. Wolfgang Renner stellt mit einen Schuhkarton auf den Tisch, setzt einen geheimnisvollen Blick auf und beginnt, vorsichtig den Inhalt des Kartons auszupacken. Zum Vorschein kommt ein 1962 von ihm in reiner Handarbeit und im Maßstab 1:13 gefertigtes Modell des Rekord P2. Die Proportionen stimmen exakt, weil Wolfgang, damals Abiturient, auf dem Schulweg echte Rekord P2 vermessen hat. Für die Karosserie wurden Dosen verwendet, vor allem Sauerkrautdosen. Türen und Hauben lassen sich nicht nur öffnen, sie verfügen sogar über eine funktionierende Öffnungs- und Schließmechanik. Die Lenkung funktioniert ebenfalls, wofür Zahnräder aus Uhren sorgen. Auch die Schraubenfedern vorn und Blattfedern hinten entsprechen dem Vorbild. Nur die Reifen kommen aus einem Modellbaukasten von Märklin. Wolfgang Renner hat sie abgeschliffen und mit der Spitze einer Nagelschere das originale Profil eingeritzt. Die Radkappen waren ursprünglich an Stuhlbeinen montiert. Sie wurden durchbohrt und Messingnägel sorgen für die charakteristische P2-Optik. „Nur hupen kann er nicht“, schmunzelt Wolfgang Renner.

Ursächlich für den Ehrgeiz war die Ignoranz des Physiklehrers, der unserem Mitglied eine Karriere als Ingenieur nicht zugetraut hat. Eingereicht wurden die Modelle anonym und der Herr Lehrer hat große Augen gemacht, als er das Resultat von gut 400 Stunden Arbeit begutachtet hat.   

Matthias Goebel (aus Lauffen) ist am Telefon kaum zu verstehen, aber wenigstens im Gewimmel zu sehen. Sylvia Allgaier vom Hymer-Museum bringt Matthias, Ben de Wilde und mich auf das Dach des Museums. Nicht, damit ich eine weitere Gelegenheit bekomme, das Alpenpanorama zu erwähnen, sondern für das Titelfoto. (Am Ende wurden es sehr viele potentielle Titelmotive und die Auswahl hat einen halben Tag gedauert.) Normalerweis muss man sich auf dem Dach angurten, aber wir haben Glück – der Wind bläst nicht allzu stark und wir können uns frei fotografierend bewegen. Zwischendurch erfahren wir von Sylvia Allgaier Hintergründe zur Sammlung. Die meisten Exponate hat Erwin Hymer lange vor dem Oldtimer-Boom gesammelt, später zugekauft wurden nur sehr wenige Sammelstücke. Und das Museum verfügt noch über Reserven, also bislang nicht ausgestellte Exponate.

Derweil wird beim Typgruppenabend, aber auch draußen das Thema Ausfahrt oder nicht diskutiert. Wie wäre eine Ausfahrt abgelaufen am Himmelfahrtswochenende in einer Touristenregion mit weiteren Großveranstaltungen wie dem Blutritt (3.000 Pferde, dazu die Pferdeanhänger) oder der Tuning-Messe am Bodensee, und dann noch bei hervorragendem Wetter? „Am Ende hätten wir die Einzelstaus zu einem Riesenstau verbunden“, kommentiert Heiner Schnorrenberg trocken. Eine Erkenntnis des Treffens lautet denn auch, eine Veranstaltung mit Ausfahrt ist nicht automatisch besser als eine ohne. In Bad Waldsee war es richtig, auf das Verteilen der Alt-Opel in kleine Gruppen zu setzen. Zu sehen gibt es in der Region genug, doch wegen der Verkehrsverhältnisse ließ sich nur ein Teil der Ausflugsziele „mitnehmen“. Für die 50 Kilometer zur Sammlung von Matthias Mutter haben wir fast anderthalb Stunden benötigt. Stephan Gütlein hat sich begeistert über seinen Ausflug zum Traktormuseum Bodensee geäußert. Andere Mitglieder haben die Gelegenheit genutzt, das Automobilmuseum von Fritz B. Busch ein letztes Mal zu besuchen. Die Sammlung zieht im kommenden Winter ins Traktormuseum Bodensee um.

"Erinnerungen sind das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können", schrieb Fritz B. Busch einmal.

Samstag


Teilemarkt! Schauen, stöbern, feilschen, schleppen, die Brocken in befreundeten Kofferräumen verstauen, der eigene ist schon voll, Zuladungsgrenzen locker interpretieren, zwischendurch eine Bratwurst essen, den Sonnenschein genießen, alte und neue Freunde treffen, PS-Geschichten erzählen. Übrigens hat auch das Catering neben der unvermeidlichen Bratwurst lokale Spezialitäten im Angebot, zu moderaten Preisen.

Wie jedes Jahr wird vor dem Festabend die Zeit knapp. Ben und ich dürfen noch einmal auf das Dach, um einige Motive in der Dämmerung aufzunehmen. Wieder kaum Wind, was noch am Nachmittag ganz anders war. Da sind Sonnenschirme über den Platz geflogen. Zum Glück ist niemandem etwas passiert.

Clubvorstand Heiner Schnorrenberg betritt als erster die Bühne und erzählt, wie es zu diesem erneut improvisierten Jahrestreffen gekommen ist. (Es hat zu keiner Zeit improvisiert gewirkt. Das Team um Thomas Bernhardt hatte alles im Griff.) 450 Autos, 1.200 Besucher aus neun Nationen – ein großes, ein internationales Jahrestreffen.

Es folgen traurige Nachrichten. Überraschend ist Franca Ferrari verstorben. Deshalb sind Mattia und Adam nicht beim Treffen und auch Riccardo Schlee hat abgesagt. Reinhard Wiens fehlt ebenfalls. Seine Mutter ist gestorben. Auch der stets hilfsbereite Reiner Böskens ist nicht mehr unter uns.

Wegen der gleichzeitig stattfindenden Bodensee Klassik kann Uwe Mertin von Opel Classic dieses Mal nicht wie sonst dabei sein. Heiner Schnorrenberg verliest ein Grußwort. Anschließend erzählt Erich Bitter aus den Tagen des Bitter CD, aber auch aus der Gegenwart. Er baut immer noch Autos, natürlich auf Opel-Basis. Im Angebot sind gegenwärtig Derivate des Adam und des Mokka. Weitere Modelle sollen folgen. Momentan konzentriert sich Erich Bitter auf den Ausbau des Vertriebsnetzes. (Wer einen interessierten Opel-Händler kennt, kann mich gern benachrichtigen. Den Kontakt stelle ich dann her.)

Dann holt Matthias Goebel (aus Lauffen) Thomas Bernhardt auf die Bühne, der sein Orga-Team vorstellt. Michael Claus übergibt Thomas Bernhardt den Wanderpokal.

Udo Feck kündigt das Jahrestreffen 2017 in Eggenfelden an. Ausgerichtet wird es von Familie Camus. Alain Camus hat nachgerechnet – er ist nun auch schon 40 Jahre in der Alt-Opel IG. Die „schöne Halle“ (O-Ton) bietet Platz für 1.200 Gäste. Eine geführte Ausfahrt wird es nicht geben, wohl aber Routenvorschläge und ein Damenprogramm. 

Anschließend bittet Udo Feck die anwesenden Stammtischleiter auf die Bühne. Zum Ausklang erhalten Matthias Mutter und Thomas Bernhardt eine frisch signierte Biographie von Erich Bitter, außerdem Patrick Basler als Teilnehmer mit der Startnummer 350. Heiner Schnorrenberg beendet den offiziellen Teil der Alt-Opel-Festspiele.

Tschüß Bad Waldsee, hallo Eggenfelden!

 

Text: Stefan Heins *1662

Fotos: Ben de Wilde *1949, Peter Kühndel *4172, Claudius Kahl *869, Stefan Heins *1662

 

 

 

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Manfred Troendle hat ein paar Zierleisten dabei

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Festabend von oben


 

50_265Clubvorstand Heiner Schnorrenberg

51_265Das Orga-Team auf der Bühne (und mit Sonnenbrand)

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Erich Bitter

53_265Matthias Goebel (aus Lauffen)

55_265Die versammelten Stammtischleiter

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Thomas Bernhard trägt die Trophäe

 

56_265Clubvorstand Udo Feck

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Wahrzeichen – das Hymer-Museum


Impressionen

32_265Schlüsselrohlinge

 

33_265Volles Haus

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Verwitterter Olympia

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Lenkrad, Bandtacho, Uhr…

40_265Gudrun und Wolfgang Renner mit dem besten Rekord-P2-Modell von allen

36_265Und er bewegt sich doch

43_265Drei Bitter CD…

44_265…und drei Rekord P2 in der Abendsonne

 45_265Rekord ´57

24_265_01Margit Karrer im Lotus Omega

27_265

DJ Kati findet, der Keinath-Monza rockt richtig

46_265Rekord P2 Autenrieth-Cabriolet in voller Fahrt

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