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 Zeitreise – das 43. Internationale Jahrestreffen in Stendal

 

Text: Stefan Heins *1662

Fotos: Ben de Wilde *1949,

Stefan Heins *1662,

Regine Schönberg/ Tangermünder Tourismus-Büro

 

Prolog

Spannung kurz vorm Termin, wenn auch mit unerfreulichem Hintergrund. Meine Teilnahme steht in Frage. Zahn gezogen bekommen, Gewebe entzündet, täglich zum Zahnarzt, Spritzen hier und Tabletten da, und die bange Frage, geht es oder geht es nicht mit der Reise nach Stendal. Zwischendurch die Vorbereitungen für diese Ausgabe des Zuverlässigen und anderes. Als endlich klar ist, dass es losgehen kann, die Buchungsunterlagen für das Hotel unauffindbar. Offenbar irrtümlich beim Steuerberater abgegeben. Die Frau murmelt was von Isomatte und Quelle-Zelt, und sie sieht nicht lustig aus, während sie das sagt.

Von wem kam der Tipp zum Hotel denn noch? Udo Feck? Anrufen und fragen. Nein, da klingelt nichts. Heiner Schnorrenberg? Anrufen und fragen. Albrechtshof in Düsedau. Da klingelt was. Anrufen und fragen. Alles gut.
In der Woche vor dem Treffen kommen die ersten Meldungen über die Mailbox, ich gebe kurz ab an Veranstalter Michael Trösken: Gestern reiste unser Clubmitglied Bert Derks 

 

*480 mit Ehefrau Wilma, Opel Rekord von 1957 und Hund aus Groesbeck in den Niederlanden an. Heute machte Bernhard Ciezynski mit seinem Gläser Super 6 die erste größere Probefahrt nach Stendal, er hatte sich aber mehr Teilnehmer zum Treffen vorgestellt als nur Bert - er hat sich schlicht im Datum geirrt und war eine Woche zu früh.
Die sonstigen Vorbereitungen laufen, das Festzelt nimmt Gestalt an.

 

Anmeldungen laufen nicht nur beim Veranstalter auf, sondern auch bei den Clubvorständen oder hier. Wir haben Ausschreibungen in Deutsch, Niederländisch und Englisch, aber wir haben Mitglieder, die keine dieser Sprachen beherrschen. Da landet die Korrespondenz schon mal an der falschen Stelle, und nicht immer ist auf Anhieb jemand bei der Hand, der die Mitteilung lesen oder wenigstens deuten könnte. In diesem Fall war aber offensichtlich, es handelte sich um den Versuch einer Anmeldung. Weiter an Michael Trösken, Vermerk: Abendkasse. Wird schon auftauchen, der Mann. (Ist er dann auch.)

 

Bernhard Ciezynski und Bert Derks waren schon eine Woche eher in Stendal

         

Donnerstag, 09.05.2013

Strahlender Sonnenschein über Schwelm, und ein vernehmliches Knurren unter dem Küchenfenster des Redaktionsbüros. Der Commodore C 2.5 E von Frank Gehlen klingt nicht so brav wie er aussieht, und getunt ist da nichts. Frank und Claudia sind pünktlich auf die Minute, und so starten wir durch nach Stendal. Oder auch in den ersten Schauer dieses langen Wochenendes, es schüttet immer wieder auf den rund 435 Kilometern.

„In jungen Jahren stand ich vor einem Kapitän P 2.6“, erinnert sich Frank. „Der Kapitän sollte 8.000 Mark kosten. Das war mir zu viel für einen zwanzig Jahre alten Sechszylinder. Tja – was die heute kosten, brauche ich dir nicht zu erzählen. Und als der Commodore von 1982 vor mir stand, genau zwanzig Jahre alt, habe ich nicht gezögert.“

Schwerte an der Ruhr, der nächste Schauer. „Das ist schon die zweite Stufe“, kommentiert Frank die Bemühungen der Scheibenwischer. Nennenswerte Extras hat der Commodore nicht an Bord, kein Klima und keine elektrischen

 

 

 

Fensterheber und auch sonst keine Spielereien, dafür viele Blindstopfen am Armaturenbrett. Die Mischung aus wenig Ausstattung und viel Leistung macht den Reiz aus: Der Commodore wirkt unaufgeregt mit seinem blauen „Vertreter-Velours“ (Stoff mit Fischgrätmuster), kann aber das Tempo der aktuellen Turbodiesel immer noch mitgehen. Einziges Manko: nur vier Gänge, und dadurch ein hohes Drehzahlniveau. Bei 140 km/h zeigt der Drehzahlmesser 4500/min, unangenehm laut wird es im Gehäuse aber nicht. 

Zwischen Bad Nenndorf und Garbsen lassen wir eine Stunde im Stau liegen, nach Magdeburg geht es dann flott weiter. Wir verlassen die Autobahn und finden uns nach der Ortsumgehung in einer anderen Welt wieder. Rapsfelder wechseln sich ab mit Wäldern und Ödland, die wenigen Siedlungen an der B189 sind klein und schnell durchquert. Hier und da stehen Brücken über Straßen, die es nicht gibt, und was diese Straßen einmal miteinander verbinden sollen, bleibt unklar.

 

Kadett B, unterwegs in der Sintflut am Donnerstag

Unter Kapitänen – der Commodore C von Frank Gehlen

Commodore A GS Coupé unterwegs in der Altmark 

Rudy Hanenbergh lässt den 4 PS fliegen!

Antonov im Landeanflug

 

Blitz im Gelände

 

Kapitän ´51 aus Norwegen, mit originaler (!) Metalliclackierung. In Stockholm montierte Opel hatten damals bereits Farben aus der Palette von GM in den USA
 

              Rekord P2 und Blitz

Anja und Wolfgang Krapp im
Manta A GT/E

Michael Sperr hat einen besonders langen Vauxhall Omega B mitgebracht

 

In Stendal hat sich die große dunkle Wolke zu einer schwarzen Wand ausgewachsen. Wir sind kaum ausgestiegen, da bricht der Wolkenbruch los. Die Anmeldung geht landunter, nur die Hütte für den Clubshop trotzt den Wassermassen. Zwischen dem Festzelt, in das sich viele Mitglieder geflüchtet haben, und dem Betonboden des Flughafens stürzt ein reißender Bach abwärts. Ein Bierzelttisch wird schließlich als provisorische Brücke eingesetzt, damit die, die dringend wohin müssen, sich wenigstens trockenen Fußes die Frisur ruinieren können. 
Doch so schnell das Unwetter kommt, so schnell ist es auch wieder vorbei. Alle begrüßen alle und reden über alles, sofern es mit alten Opel zu tun hat, und der parallel zu unserem Jahrestreffen weiterlaufende Flugbetrieb sorgt für eine ganz eigene Atmosphäre. Da werden alte Doppeldecker gestartet und setzen sich knatternd in Bewegung, da sausen 

 

Sportflugzeuge kopfüber durch den Abendhimmel. Offenbar üben in Stendal einige Kunstflieger. Künstlerisch, gegen diesen Begriff würde sich Rainer Wieler verwahren. Sagen wir also, Schrauben auf gehobenem Niveau. Sein Rekord B6 Coupé strandet auf dem Weg zum Treffen mit einem Stirnradbruch. Hans-Martin Weber bringt die Teile mit, Arnfried Balduf lädt den Kadett C Aero ab und den havarierten Rekord auf. Abends wird geschraubt, und auf die Frage nach Problemen antwortet Rainer am nächsten Morgen gelassen: „Jetzt glauben die Leute, ich hätte einen Kadett Aero.“
Der Nachthimmel über Düsedau, wo Jörg Brüggemann kurzerhand den kompletten Landgasthof Albrecht gebucht und damit in eine Alt-Opel-Hochburg verwandelt hat, ist so schwarz und sternenklar, dass Bewohner von Ballungsräumen erst einmal ergriffen in die Nacht starren. Nachtigallen sind zu hören, später fliegt uns noch ein Maikäfer ins Zimmer.

 

Wie bei Wilhelm Busch, beinahe. Doch was Besucher in der Altmark, so heißt die Region um die Hansestadt Stendal, romantisch finden, was Kindheitserinnerungen an Frösche und Störche wieder aufleben lässt, zeigt auch die Probleme der Region auf. Arbeit gibt es vor allem in der Landwirtschaft und im Einzelhandel der Städte wie Stendal, und wer keine findet, verlässt die Region. In den Dörfern stehen liebevoll aufgearbeitete Häuschen neben weiter verfallenden Ruinen, auch ein Resultat bis heute ungeklärter Besitzverhältnisse. Und: Die Weite der Landschaft kann bereichernd wirken, aber auch Einsamkeit vermitteln. Das hängt von der eigenen Stimmung ab. Leicht zu erfassen ist sie nicht, die Altmark. Immerhin sind die Menschen ausnahmslos freundlich und staunen über die Alt-Opel vor allem der älteren Baureihen, die manche noch nie gesehen haben. Erstaunen bis Ehrfurcht statt „was braucht ´n der so“. 

Freitag, 10.05.2013

 

Endlich wieder ein Treffen mit Ausfahrt! Für uns wenigstens, Treffen sind schließlich immer mit Ausfahrt. Oder Ausfahrten. Michael Trösken und sein Team haben es bei zwei Touren belassen. Einmal verursacht das weniger Planungsaufwand als drei oder vier Ausfahrten, dann ließ es sich in der Umgebung ohne viele Ampeln gut realisieren, und schließlich hat es noch den Vorteil, dass die Teilnehmer am Abend mehr gemeinsame Gesprächsthemen haben. Wir entscheiden uns für Tour 1, mit dem Blaulichtmuseum als Höhepunkt. Die Wahl fällt 

 
 

 


auf den dunkelblauen Rekord C von Martin Lucas, der mit Sohn Vincent unterwegs ist. Ein Zweitürer von 1967, 1700 ohne L, der Motor ohne S, drei Gänge am Lenkrad und eine Ausstattung wie der Eingangsbereich beim Katasteramt. Es gibt letztlich nichts, mit diesem Rekord kann man nur fahren, aber nicht spielen. Genau das macht dieses Auto zu etwas Besonderem: Niemand hat den Rekord nachträglich mit Extras „aufgewertet“, er ist genau so wie die meisten Kunden ihn damals

 

 

 


geordert haben. Schick und schlicht und ohne Lametta.

Der 1700 ohne S geht unerwartet druckvoll ans Werk, und während wir noch über den Zauber des Ursprünglichen palavern, kommt das Feuerwehrmuseum Beuste schon in Sicht. An den größeren Kreuzungen auf dem Weg stehen Ordner in Warnwesten, junge Leute, organisiert beim Club Opel United Stendal. Ihnen ist die Begeisterung anzumerken, immer wieder saust der Daumen nach oben.

Unauffällig auffällig – der völlig originale
Rekord C von Martin Lucas aus Essen.
Dahinter der Rekord P1 von Jürgen Volberg
aus Wuppertal 

Feuerwehren konnten wir im Feuerwehrmuseum erwarten, aber…

 

…der Trabbi mit dem Weferlinger dahinter wurde auch viel bestaunt, und…

 

…der riesige Tschaika erst recht!

2 Liter, noch nicht restauriert

Oldtimerhalle im Bau

 

Das Feuerwehrmuseum bietet Feuerwehren, aber nicht nur. Erst einmal erschreckt ein Militärfahrzeug die ankommenden Besucher. Vier Achsen, zwei gelenkt, Allrad, problemlos in der Lage, den eigens aufgeschütteten Hügel vor dem Hauptgebäude zu überwinden – und obendrauf eine gefährlich aussehende Rakete! Dann ein Trabant mit einem winzigen Wohnwagen dahinter. Ein Weferlinger, Typ LC 900/2, gebaut 1969 im VEB Kombinat PHG Heimstolz, Weferlingen. Ein langer Name für einen nur 2,83 Meter messenden und leer 220 Kilo wiegenden Wohnwagen! Die kleinen Dimensionen mussten sein, ein anderer Zugwagen als der Trabant war in der DDR kaum zu bekommen. Es sei denn, man gehörte der Nomenklatura an. Genosse Oberst und Genosse Major ließen sich im schwarzen Tschaika chauffieren. Tschaika heißt Möwe und passt zu diesem Trumm von einem Automobil ähnlich gut wie Impala an den ähnlich großen Chevrolet. „Steigt ein, Genossen“, kommandiert Jochen Schramm, und das lassen wir uns kein zweites Mal sagen. Am Steuer sitzt Ralf von Hagen, Museumschef, Clubmitglied und Sammler alter Opel schon seit „Vorwendezeiten“, wie es hier heißt. Der Tschaika setzt sich mit einem kernigen Motorgeräusch in Bewegung, und Ralf zitiert einen alten Witz: „Zwei Gänge, einen für die Parade, einen für die Flucht.“

In seiner privaten Halle stehen ein Blitz Leiterwagen, ein „sechs Wochen vor der Wende für 10.000 Ostmark“ gekaufter Opel 2 Liter, der Motor eines woanders untergebrachten Super 6, ein Moskwitsch, das Innenleben einer Bosch-Vertretung, die größte Sammlung an Abziehern diesseits des Urals, ein Schwimmwagen und zu viele Sammler-stücke, um alles hier aufzählen zu können. Leicht benommen verlassen wir die   

 
        

Dämmerung der Halle, nehmen wieder Platz im Tschaika und erwidern die Grüße derWerktätigen an der Straße. In Wirklichkeit winken Frauen und Männer, die bei der Gartenarbeit sind, das Auto waschen oder die Kinderschaukel reparieren. Im Tschaika aber lebt er fort, der real existierende Sozialismus, in dem immer einige gleicher waren als die anderen.

Nicht minder beeindruckend das Museum selbst, mit einer Tankstelle, die gar keine ist, sondern ein „vorbildlich arbeitendes Tankstellenkollektiv“, und einem HO-Markt. Spreewaldgurken, Rotkäppchensekt, Bückware – der Betrachter schwankt zwischen Schmunzeln und Schrecken.

Weiter geht es, nun wieder Richtung Süden, die Elbe immer in Sichtweite. Mir kommen die Worte von Ralf wieder in den Sinn, „da hinten, hinter dem Fluss, da ist schon Brandenburg“. Es führen nur wenige Brücken nach Brandenburg, die Altmark lässt ihre Besucher nicht so einfach wieder wegfahren, sofern sie nach Osten wollen.

Der Rekord schaukelt durch die Idylle, auf dem Kopfsteinpflaster knistert es unter dem Armaturenbrett, Idylle reimt sich immer wieder auf Gülle, und die Kotflügel kommen ihrer ursprünglichen Bestimmung nach. Wer sich an Mehlschwalben freut und an Störchen, beide sind hier zahlreich zu sehen, muss mit den Nachteilen leben: Die ausgebauten Straßen sind gut, aber längst nicht alle Straßen sind ausgebaut, und so führt die Fahrt immer wieder durch die Pfützen voller Lehm, aus dem die Schwalben ihre Nester bauen.

Wir erreichen die Bockwindmühle kurz vor der alten Hansestadt Werben. Sie steht auf Pfählen und kann unter großen Mühen komplett gedreht werden, um den Wind optimal zu nutzen. Bei der jüngeren Holländer-Windmühle

 

    

wird nur die Kappe gedreht. Unter der Mühle gibt es Kaffee, Kuchen – und ein überraschendes Gespräch. Da denkt man, einen zu kennen, und Gerald Gärtner und ich kennen uns mehr als zwanzig Jahre, und da erzählt er plötzlich von Teigführung und Temperaturführung beim Brotbacken. Das kann der Gerald also auch.

Wer noch mehr Kaffee trinken möchte, kann das vor der Marienkirche in Werben tun. Der mächtige Sakralbau würde auch einer erheblich größeren Stadt alle Ehre machen. Werben hat heute nur noch etwas mehr als tausend Einwohner, viele Häuser stehen leer. Kein Mensch ist auf der Straße zu sehen, der Besucher fühlt sich an eine in Backsteingotik gemauerte Fassung der Geisterstadt im Western erinnert. 

Weiter geht es zum Biohof Dihlmann in Busch. Neben Kaffee gibt es dort historische Landtechnik, einen gezogenen Claas-Mähdrescher, einen Raupenschlepper von Famo, zwei Lanz Bulldog, einen Holder-Bauernschlepper und zwei BMW Isetta, mit denen über das Kopfsteinpflaster zu holpern abenteuerlich sein dürfte. Auf dem Hof steht der Blitz von John Lemmers, er sieht besser aus als neu – der Blitz, wie John neu ausgesehen hat, weiß ich nicht – und endlich kenne ich das Gesicht zu diesem famos restaurierten LKW. Wir tauschen einige lustige Gedanken über noch nicht erfundene Bio-Produkte aus, trinken noch einen Kaffee und nehmen die Rückfahrt unter die Räder.

Wir fahren weiter durch kleine Dörfer, kaum Autos auf der Straße, hier und da ein Schlepper, und erreichen schließlich wieder den Flugplatz in Stendal-Borstel. Die zweite Tour führte nach Tangermünde, sie wurde ebenfalls von den Teilnehmern begeistert kommentiert. 

Samstag, 11.05.2013

 

Beim Frühstück treffen wir Leon Cox aus den Niederlanden. Leon unterstützt die Redaktion regelmäßig mit Unterlagen, und beim Jahrestreffen bekommt er zurück, was sich über die Monate angesammelt hat. Wir bauen das Windschott aus dem Kadett C Aero, es passt in den Kofferraum. Einmal warm, dreht der CIH willig hoch und beschleunigt den leichten Kadett heftig. Soll das ein normaler 1,6 Liter sein? „Nein, das ist ein Zweiliter-Einspritzer, mit Fünfganggetriebe. Wir fahren den Kadett schon mal längere Strecken, und die Teile hatte ich gerade liegen…“

Auf dem Flugplatz fängt Michael Trösken uns sofort ein. Parallel zu unserem Jahrestreffen feiern in Stendal auch die Husaren, die Oberbürgermeister Klaus Schmotz für den Festumzug zum 200. Geburtstag des Regimentes aber nicht auf ein Pferd setzen wollen. Sondern in den Opel Puppchen von 1912, das älteste Auto des Treffens, pilotiert von Typreferent Reinhard Wiens. Alte Opel sind für Umzüge in der Region gut geeignet und entsprechend beliebt, erläutert Michael Trösken, dessen 1,3 Liter auch schon einiges mitgemacht hat: Zweitakter ruckeln, und der Opel-Motor wird nicht so schnell heiß.

Der Umzug dauert nicht lange, daher kann Michael uns noch zeigen, woran er gerade arbeitet: an einer Oldtimerhalle mit Werkstatt für die Oldtimerfreunde der Region, vor allem aber für die Jugendarbeit. 47 x 17 Meter misst die 1884 für die Husaren gebaute Halle. 1974 wurde sie zuletzt renoviert und erhielt bildschöne Wandfliesen aus Meißen. 0,5% der Bausumme waren in der DDR für Kunst vorgeschrieben, daher finden sich solche Juwelen immer noch oft. Politiker, die sich wie Oberbürgermeister Klaus Schmotz für diese Art der Nutzung stark machen, finden sich nicht ganz so oft.
Großen Anklang finden die Attraktionen, die Michael Trösken auf dem Flugplatz organisiert hat. Einmal der Kran mit Gondel, von der aus

 

 


sich ein spektakulärer Blick über die Altmark bietet, und dann die Antonov, die von mutigen Mitgliedern für Rundflüge genutzt wird. Ben de Wilde ist für uns mitgeflogen und hat fotografiert.
Am Nachmittag machen sich 40 Alt-Opel auf den Weg zum Marktplatz in Stendal. Auf dem Schwiegermuttersitz des 4 PS von Stephan Gütlein zieht es nicht zu knapp, aber es lassen sich stehend sehr gut Fotos machen. Karin Schäffer hält mich fest, für diese Art der Nutzung ist die robuste Federung des 4 PS nicht ausgelegt. Vorn sitzt Stephan Gütlein froschartig, die Knie neben dem Lenkrad. Warum tut sich der Mann das an? „Das Auto hat schon mein Großvater gefahren.“ Gut, die Menschen waren früher kleiner. „Mein Großvater aber nicht, der wog mehr als zwei Zentner. Schau dir mal die Pedale genau an.“Offenbar hat der Großvater etwas nach rechts versetzt gesessen, wenn er allein unterwegs war. Die Pedale sind rechts deutlich stärker abgenutzt als links.
Auf dem Marktplatz sehe ich den Fahrer des 1,3 Liter mit dem Geschäftswagenaufbau, dessen Geschichte mich schon lange interessiert hat. Aufgebaut wurde das Auto bei der Karosseriefirma Willi Wink in Wiesbaden, erzählt Christian Gregor. Was damit transportiert wurde, ist nicht überliefert. Da der 1,3 Liter nie requiriert worden ist und im Krieg sogar Reifen zugeteilt bekommen hat, wird es sich um Lebensmittel gehandelt haben.
Der Festabend beginnt pünktlich mit einer kurzen Ansprache von Veranstalter Michael Trösken, der erst einmal den lokalen Behörden und dem Betreiber des Flugplatzes Dank ausspricht. Vor Ort sind Landrat Carsten Wulfinger, Oberbürgermeister Klaus Schmotz sowie Sieghard Geyhler, Geschäftsführer des Flugplatzes Stendal-Borstel. Zwischendurch heizt das Sax ´n Anhalt Orchester ordentlich ein, ohne festes Instrumentarium auf der Bühne. Die Bläser und Schlagzeuger musizieren mitten im Publikum, was allen großen Spaß macht.

 

 


Heiner Schnorrenberg stellt dann Udo Feck und Lothar Rindt vor, die Mitglieder des auf der Mitgliederversammlung 2012 neu gewählten Vorstandes der ALT-OPEL IG, und begrüßt anschließend Markus Oppel, Vertriebschef bei GM in Wien, und Uwe Mertin, Manager bei Opel Classic in Rüsselsheim.

Uwe Mertin hat unser Treffen über alle vier Tage begleitet und fühlt sich von der Backsteingotik der Altmark an das Altwerk in Rüsselsheim erinnert. Seine Rede endet mit der Einladung zur Mitgliederversammlung 2013 in Dudenhofen.

Dann zieht Heiner Schnorrenberg Bilanz: 335 Teilnehmer aus zwölf Ländern – ein hervorragender Wert für ein Treffen, das nicht für alle Clubmitglieder leicht zu erreichen war. Das sich aber, da sind sich alle einig, gelohnt hat. Nach dem Dankeschön an die Helfer und einigen Ehrungen endet der offizielle Teil des Abends mit der Einladung zum Jahrestreffen 2014 in Wetzlar, organisiert von einem Team um Olaf Zimmer und Stephan Dietz. Bewerbungen für 2015 und später werden gern entgegengenommen, Interessenten wenden sich bitte direkt an den Clubvorstand.

Zum Schluss noch eine Ergänzung von Michel Trösken, der sich das letzte Wort an dieser Stelle mehr als verdient hat:

Bei der 30. Landung mit einem UL-Doppeldecker ging das Fahrwerk zu  Bruch und das Flugzeug rutsche auf dem Bauch über das nasse Gras. Zum Glück ist den beiden Piloten nichts passiert. Das Team um unser holländisches Mitglied Arjaan Droppert waren mit den Opel Blitz von 1953 und Hänger sofort bereit, den Flieger zu bergen. Mit acht Mann wurde das Flugzeug auf den Hänger verladen und dann vorsichtig zum Hangar gebracht. Der Flugzeugbesitzer und die Flugplatzleitung  bedanken sich ganz herzlich bei den Helfern.

 

   

Seltenheit – der Ranger GTS 2800 von
Gilbert Smets, ebenfalls aus Belgien 

Stephan Gütlein hält die Hände so weit oben
am Lenkrad seines 4 PS, weil darunter die
Knie schon den ganzen Platz brauchen. Links eins der Stadttore von Stendal  

Christian Gregor erklärt Svenn Oskar Vanderas aus Norwegen, was für ein Motor seinen 1,3 Liter antreibt

 

Dani de Bruyne aus
Belgien transportiert
seinen Kadett B Rallye in einer Art Raumschiff

Hans-Joachim Goerke
im Kampf mit der Umverpackung

Reinhard Wiens im Puppchen von 1912

 

Immer noch eine rasante Erscheinung – der GT von Peter Senfft 

 

Veranstalter Michael Trösken auf der Bühne 

 

     

Noch eine Rarität – Kapitän ´39 LZ 

Alt-Opel in Tangermünde 

An Bord der Antonov

 

     

Landrat Carsten Wulfinger und Oberbürgermeister Klaus Schmotz vor
dem 4 PS von Stephan Gütlein

Clubvorstand komplett –
Heiner Schnorrenberg,
Lothar Rindt und
Udo Feck (von links)

Uwe Mertin von Opel Classic

 

     

Das Sax ´n Anhalt Orchester auf dem Weg
ins Festzelt 

Alle Helfer auf der Bühne

Ende gut, alles gut –Blitz birgt havarierten Doppeldecker 

Bilder und Berichte der Lokalpresse:

 

http://www.az-online.de/lokales/landkreis-stendal/stendal/internationales-alt-opel-treffen-stendal-2902924.html

 

 

http://www.volksstimme.de/nachrichten/lokal/stendal/1074047_Opel-Kapitaen-glaenzt-neben-500er-Trabi-und-Lanz-mit-Knicklenker.html

 

 

Bewegte Bilder mit der Musik zum Festabend:

 

 

http://www.youtube.com/watch?v=U2XkcDC-NhU

 

Die DVD zum Treffen: 

 

Viele von uns haben den Kamerawagen gesehen, und was es damit auf sich hat, wurde am beim Typgruppenabend am Freitag bekannt gemacht. Michael Klemme aus Seehausen/ Altmarkt hat unser Treffen begleitet und gefilmt. Die DVD soll rund 70 Minuten lang sein und 25 € kosten. Fertig war sie zum Redaktionsschluss noch nicht, Interessenten sollten sich nach den genauen Konditionen daher hier erkundigen:

 

 

Milan Bild

Michael Klemme

Am Schillerhain 5

39615 Seehausen/ Altm.

Tel. 039386-75619, Fax -75601

Mobil 0172-5924996

 

info@milan-bild.de

 

 
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Bilder von : Marko Brunhoff, Rudi Schröder, Florian Klein, Lothar Wessel

  

 

42. Internationalen ALT-OPEL Treffen vom 09. bis 12. Mai 2013 in der Hansestadt Stendal

 

 

Grußwort von Klaus Schmolz,

Oberbürgermeister der 

Hansestadt Stendal 

 
 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

die Bürgerinnen, Bürger und Gäste der Stadt der Backsteingotik und Hansestadt Stendal freuen sich auf das 42. Internationale

Alt-Opel-Treffen, das zum ersten Mal im Bundesland Sachsen-Anhalt, in unserer Stadt, durchgeführt wird. Gern sind wir Gastgeber für dieses Oldtimertreffen, denn die Entwicklung des Automobils ist auch ein Spiegelbild der deutschen Zeitgeschichte.

Generationen und Geschlechter verbindet schon immer die Liebe zum Oldtimer. Das Besondere alter Fahrzeuge liegt darin, dass sie Erinnerungen bei den Betrachtenden wecken und Vergangenes dadurch wieder aufleben lassen. Deshalb ziehen Oldtimerfahrzeuge im Straßenbild die Menschen immer wieder magisch an. Taucht ein Oldtimer auf, wird sofort mit strahlendem Gesicht gefachsimpelt. Es werden alte Geschichten und Anekdoten erzählt.
Im Laufe der Jahre sind die Ansprüche an Fahrzeuge und Geräte gestiegen. Die neueren Fahrzeuge wurden immer komfortabler, technisch anspruchsvoller, leistungsstärker und der Umwelt zuträglicher.

Doch hatten und haben sie noch die gleiche Aus-strahlung wie ihre Vorgänger - besitzen die modernen Automobile diese unüberschaubare Vielfalt in Form und Technik, die uns die Vergangenheit im Fahrzeugbau beschert hat ?

Wäre es nicht schade, wenn die wenigen Zeugen, die wir aus dieser Zeit noch besitzen, dem Verfall preisgegeben wären? Glücklicherweise gibt es Sie, die sich damit beschäftigen, die alte Technik zu restaurieren,
 
funktionsfähig zu halten, und andere

Menschen mit Ihrem Tun zu erfreuen.


Auch mich haben diese Fahrzeuge immer wieder fasziniert und als Oberbürgermeister der Stadt, welche Sie im Mai 2013 besuchen werden, grüße ich Sie jetzt schon herzlichst, freue mich und heiße Sie alle willkommen.

Eine solche Veranstaltung wird wieder einmal mehr auf unsere schöne Stadt aufmerksam machen und eine Bereicherung für alle Bürgerinnen und Bürger und deren Gäste darstellen.

Sie werden sich in unserer Stadt ganz sicher wohl fühlen, ist sie doch der Tradition verpflichtet und gleichzeitig dem Neuen und Innovativen offen, wie auch Ihre Vereinsphilosophie dies aussagt.
Die Hansestadt Stendal, in der Mitte des neuen Europa, ist die größte und eine wettbewerbsfähige, historische und lebens- und liebenswerte Altmarkstadt, welche im Jahre 1022 das erste Mal erwähnt wurde und die ca. 43.000 Einwohner in der Kernstadt und ihren 18 Ortschaften zählt.

Die mittelalterliche Innenstadt mit reichen Kunst- und Kulturschätzen - vier große Hallen- bzw. Ratskirchen (St. Marien, St. Jacobi,
St. Petri und Dom St. Nikolaus), sehenswerten backsteingotischen Tortürmen (Uenglinger Tor, Tangermünder Tor),

und der ältesten erhaltenen Holzschnitzwand Deutschlands im Rathaus - hat den drittgrößten Roland in Norddeutschland am Markt und wird Sie sicher alle begeistern und interessieren. 

 

Das Alleinstellungsmerkmal der backsteingotischen Bauten hier in der Altmark ,  wir sind Mitglied der Europäischen Route der Backsteingotik ,  macht unsere Gegend zu etwas Besonderem, worauf wir sehr stolz sind. Alte Wallanlagen, das Winckelmann- und das Altmärkische Museum, das Landes-Feuerwehrmuseum, der Sitz der Hans und Eugenia Jütting-Stiftung und das Musikforum Katharinenkirche laden zum Kennenlernen ein und zeigen unsere lange Tradition und Geschichte auf das Deutlichste.

Als größte Stadt in der Region sind wir Hochschul -und Theaterstandort und mit unserer hervorragenden Infrastruktur Dienstleistungszentrum und Mittelpunkt der Altmark.

Es werden Sie gastfreundliche und sehr interessierte Menschen in einer interessanten und sehenswerten Stadt erwarten, wenn Sie im Mai 2013 auf unserem Flugplatz-Gelände Ihr Internationales Jahres-Treffen mit Ihren Fahrzeugen ausrichten.

 
Mit freundlichen Grüßen

 

Klaus Schmolz

Oberbürgermeister der Stadt Stendal

 

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