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Buntes Treiben auf Parkplatz II

Alles bleibt anders

Eindrücke vom 44. Internationalen Jahrestreffen 2016 in Speyer vom 14. - 17. Mai 2015


Selten wurde ein Jahrestreffen mit größerer Spannung erwartet. Improvisierte Organisation, keine Ausfahrt und dazu ein Termin früh im Jahr, der unbeständiges Wetter erwarten lässt. Speyer war, das sei schon vorab verraten, zwar anders als gewohnt, aber doch ein richtig gutes Treffen.

 

Mittwoch

„Was sagen Sie denn zu Klopp?“ – „Wie bitte?“ – „Na, Sie haben doch ein Dortmunder Kennzeichen.“ Aufgeschlossen ist er, der Bewohner des Bergischen Landes, selbst dann, wenn er einem in Gestalt eines betagten Mechanikers an einer Tankstelle gegenübertritt. Ein Reifendruckprüfgerät hat er allerdings nicht zur Hand. Und wir haben ihm lieber nicht erzählt, dass wir eigentlich mit dem Bitter Insignia Vorführwagen nach Speyer starten wollten. Bitters Fertigungsstätte in Schwelm befand sich nur wenige Häuser weiter und darüber etwas zu sagen hätte wohl den ganzen Vormittag gekostet. Klopp, Bitter, Blatter, irgendwie hängt doch alles mit allem zusammen. Außerdem macht der Klopp Werbung für Opel und da haben wir es doch schon. Schnell weg! Um Köln herum der eine oder andere kleine Stau, um Frankfurt herum wieder, keine Großereignisse, leider auch keine Alt-Opel, deren Fahrern man zuwinken könnte oder raten, wer da unterwegs ist zum Jahrestreffen.Speyer erreichen wir am frühen Nachmittag. Verwirrung an der Rezeption. „Ich bin nicht Herr Göbel. Er ist Herr Goebel mit OE und er ist Herr Göbel mit Ö.“ Die Frage, ob zwei denn nicht genug seien, hätte die nette Dame am Tresen wahrscheinlich endgültig aus der Fassung gebracht.

 

 

Es findet sich dann doch noch ein freies Zimmer und wer nun wie was richtig oder nur fast gebucht hat, Schwamm drüber. Das Personal ist freundlich und hilfsbereit, die Küche hat aber nur Frühstück im Angebot und das nicht nachmittags. Aber Speyer, sagt die nette Dame mit leuchtenden Augen, Speyer ist schön und nicht weit weg, fünf Minuten durch den Park. 

Doch auf dem Weg lockt das Naturfreundehaus mit Russischen Eiern, Toast Hawaii und anderen Klassikern aus der Schule des Clemens Wilmenrodt. Zu Saumagen und Leberknödel gibt es eine Bratensauce, die ebenfalls dem Geist der sechziger Jahre verpflichtet ist. So kocht in den Tagen des veganen korrekten regionalen fair gehandelten Bio-Salates vielleicht niemand mehr außer den Leuten im Naturfreundehaus. Der Tropfen Maggi zu viel in der Sauce setzt noch einen drauf – so waren sie, die sechziger Jahre!

Speyer ist als römische Gründung eine der ältesten Städte Deutschlands. Der Dom, dessen Bau von 1027 bis 1106 dauerte, sollte die größte Kirche des Abendlandes werden und gilt heute als größte erhaltene romanische Kirche überhaupt.

 

Romanisch, nachdem der durch Brände und Plünderungen stark beschädigte Westbau ab 1854 neu aufgebaut wurde. Doch auch schon vorher haben die Speyerer ihrem Wahrzeichen das eine oder andere Update beschert. Heute beeindruckt der Dom durch seine schiere Größe, die Gesamtlänge beträgt 134 Meter, die Osttürme sind über 70 Meter hoch, während die Mischung der 700 Jahre auseinanderliegenden Baustile unruhig wirken kann. Nachts glättet warmes Licht den Eindruck und die jungen Paare scheren sich nicht um Romanik, sondern um Romantik.

Doch es gibt auch ältere Besucher, die das riesige Bauwerk nur flüchtig betrachten und stattdessen zielstrebig eine der Gaststätten am Dom aufsuchen. Vielleicht wird die Pfälzer Küche von manchen noch heute durch das Gleichnis Kanzler Kohl und Saumagen als provinziell missverstanden. Sie war es zu keiner Zeit.Schon die Römer haben das milde Klima genutzt, um Mandel- und Aprikosenbäume einzuführen. Die Pfälzer hatten viel Zeit, sich originelle und raffinierte Verwendungsmöglichkeiten der Zutaten einfallen zu lassen, die nur in ganz wenigen klimatisch begünstigten Regionen des Landes zur Verfügung gestanden haben, und sie haben ihre Möglichkeiten hervorragend genutzt.

     

 Ihre Küche erinnert ein wenig an die Elsässische Küche, die ebenfalls starken Ausdruck und feine Eleganz zusammenbringt, und ist dabei doch ganz eigen. Matthias Goebel (aus Lauffen) hat uns am Empfang erzählt, Speyer habe italienisches Flair. Die geschäftstüchtigen Gastwirte haben Zwergpalmen vor ihre Lokale gestellt, damit es auf den Straßen mediterran aussieht und die Kundschaft in die Stimmung versetzt wird, in der es noch einen Nachtisch und einen Kaffee und einen Kurzen gibt. Einfach zu durchschauen, aber so charmant präsentiert, dass man lächelnd durch die Stadt flaniert und wirklich noch einen Nachtisch und so weiter.

Wieder zurück auf dem Gelände des Technikmuseums Speyer treffen wir einen alten Freund mit einem neuen alten Auto. Ben de Wilde, der schon traditionell einen Großteil der Fotos zum Bericht über das Jahrestreffen beisteuert, hat sich einen Traum erfüllt: den ersten von nur vier gebauten Bitter SC als Viertürer. Unser hünenhafter Fotograf – er ist gar keiner, alles nur Hobby – geht in die Knie. „Schau mal hier unten, hier haben sie die Bodengruppe verlängert.“ Tatsächlich lassen sich die Schweißnähte an den Türschwellern unter den hinteren Türen erspüren.

Der Erstling ist ein Unikat. Die drei anderen SC Sedan haben ein etwas höheres Dach und nicht wenige Kenner halten das erste Exemplar für das schönste. Gebaut wurde der silberne SC 1984, ausgestellt auf der New York Motor Show 1985. Wegen des vermeintlichen Konkurses wurde der Wagen kurz darauf weggeschlossen und tauchte erst 1991 wieder auf, zunächst in einem Inserat des US-Magazins Hemmings Motor News. Ein Sammler aus den Niederlanden kaufte das Auto und verbrachte das folgende halbe Jahr damit, eine Straßenzulassung zu erwirken. Selbst Tests auf einer Rennstrecke nahe Lelystad musste die Rarität über sich ergehen lassen. Ben hat den majestätischen Bitter gerade erst übernommen, mit einem Kilometerstand von nur 70.000, im Erstlack und in formidabler Verfassung.

Auf der Straße macht die Limousine nicht übermäßig viel Spaß. Der Dreiliter schiebt das schwere Gehäuse eher zurückhaltend an und das Schaltgetriebe mag auch nicht recht zum gediegenen Charakter passen. Ben hat den Vergleich. Sein SC Coupé hat den Mantzel 3,9 Liter und das Automatikgetriebe. Damit wischt man mühelos über die Autobahnauffahrt in den fließenden Verkehr hinein, während im Prototyp die Augen schon häufiger den Spiegel fixieren. Aber das sind Marginalien gegen die Freude darüber, dass diese Rarität nicht nur immer noch so gut beieinander ist, sondern nun auch bei jemandem, der sie nicht unter Verschluss hält.

Beim Bestaunen dieses und anderer Autos haben wir gar nicht bemerkt, dass es auf dem Flugplatz neben dem Museumsgelände ein Nachtflugverbot gibt. Tagsüber brummt alle paar Minuten eine Propellermaschine über den Platz. Ein Nachthundverbot gibt es allerdings nicht. Schlaflos in Speyer.


Donnerstag         

Mattia Ferrari beeilt sich am nächsten Morgen, die Unschuld seines Boxers Darco zu beteuern. Wir arbeiten nun schon so lange zusammen und treffen uns endlich zum ersten Mal. Großes Hallo. Gemeinsam geht es nach vorn zur Anmeldung, wo gegen zehn Uhr bereits Hochbetrieb herrscht. Einige der Helfer waren auch schon in Wetzlar und selbst in Rüsselsheim dabei. Der Einsatz unserer Aktiven ist auf der einen Seite erfreulich – auf wen wir uns verlassen können wissen wir.

2_800Überall auf dem Museumsgelände kann alte Technik bewundert werden

 

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Kapitän ´39 und Rekord P2 spiegeln sich in einer Pfütze.

Wetter unbeständig, Regen aber nur in der Nacht


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Bitter SC Sedan – der einzige in dieser Ausführung

 

 8_400Der Kapitän rechts im Bild ist Mattia Ferrari

 

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Klaus Adler hat alles im Griff


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Sascha Schwiertnia mit Gefolge


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Doppeldecker beim Start


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Der Silbernagel Hans hat sein Fahrrad nun auch fertig



Andererseits aber auch weniger. Als Funktionsträger erlebt man ein Jahrestreffen nicht gerade wie ein Urlaubswochenende. Ganz toll gemacht haben ihre Sache übrigens unsere Nachwuchsleute, die jüngsten gerade acht Jahre alt und genau so engagiert, konzentriert und immer freundlich dabei wie die alten Hasen.

Jedes Jahrestreffen hat seine Modelle, die besonders stark vertreten sind. Dieses Mal fallen Senator A und Rekord E – die sich neuerdings auch vermehrt im Zuverlässigen zeigen – auf, aber auch der Kadett D ist unübersehbar im Kommen.

Im Museum empfangen uns schon im Foyer interessante Exponate, aber auch drückende Schwüle. Da später noch Gespräche mit Medienleuten anstehen, die ich nicht mit durchgeschwitztem Hemd wahrnehmen möchte, verzichten wir auf die ausführliche Besichtigung. Draußen stehen aber auch schon genug Exponate herum. Flugzeuge, aufgestellt in teils abenteuerlichen Winkeln. Lokomotiven, Schiffe. Fast alles in einer Größe, die die Frage aufwirft, wie um Himmelswillen die Speyerer ihre Exponate überhaupt auf das Gelände bekommen haben. So ein Jumbo wiegt weit mehr als 300 Tonnen. Gut, die Flügel werden sich abmontieren lassen. Aber womit wird das Ding gezogen? Oder ist es doch hergeflogen worden? Bei den Schiffen kann man sich schon eher Lösungen vorstellen, denn der Rhein ist nur einen Steinwurf entfernt.

Den 4 PS von Stephan Güthlein haben wir auf dem Titelbild der Ausgabe gezeigt, in der über das Jahrestreffen in Stendal 2013 berichtet wurde. Stephan fährt das Auto seit 1978. Nicht nur bei schönem Wetter, nicht nur zur Eisdiele oder auf Veranstaltungen, sondern auch im Alltag. Der 1928 gefertigte 4 PS kam 1940 in die Familie. Stephans Großvater übernahm den kleinen Opel mit dem Schwiegermuttersitz von seinem Bruder. Um die drohende Requirierung zu verhindern, erhielt der Laubfrosch eine Anhängerkupplung und wurde als Behelfslieferwagen deklariert. Die Güthleins hatten eine Metzgerei, die übrigens heute noch besteht, und ein Behelfslieferwagen für Viehtransporte war in den ersten Kriegsjahren leidlich sicher vor der Verschleppung an die Front. Später wurde der 4 PS unter einem großen Haufen Reisig neugierigen Blicken entzogen und trocken eingelagert.

Etwa 1955 erfolgte eine erste große technische Instandsetzung und eine neue Lackierung in gelb und rot. Nach den entbehrungsreichen Kriegs- und Nachkriegsjahren sollte der alte Opel fröhlich aussehen. Was auch seiner neuen Verwendung als Vatertagskutsche entsprach. In die Fränkische Schweiz ging es damit. An den Radmuttern finden sich heute noch rote Farbspuren, die, sagt Stephan, zur Geschichte des Autos gehören und bleiben sollen. Er ist mit diesem Auto aufgewachsen und der Wunsch, es irgendwann zu fahren, reifte schon in der Kindheit heran. Das Fahren eines 4 PS ist kein Hexenwerk, doch in diesem speziellen Fall gibt es eine Besonderheit. Schon der Großvater war viel größer als der Durchschnittsbürger seiner Tage, an dessen Maßen sich die Autohersteller orientierten. Auch Stephan sitzt in der Froschhaltung am Volant. Also ziemlich genau so, wie sich Alfa-Romeo-Fahrer über mehrere Generationen leise fluchend fortbewegt haben. Den Pedalen des 4 PS ist die Nutzung durch drei Generationen großer Fahrer anzusehen: Sie sind außen deutlicher abgetreten als innen.

In den heutigen Zustand versetzte Stephan seinen 4 PS dann ab 1977. Seit 1988 ist der kleine Opel ununterbrochen zugelassen und er wird ganzjährig gefahren.

Über das letzte Vierteljahrhundert hat Stephan eine Dokumentation zusammengetragen, die gerade den zweiten Ordner gesprengt hat. Marlene Dietrich fuhr ein 4 PS Cabrio, bevor sie zur Diva avancierte. Ein Bild von der Dietrich, das Haar noch brünett, der Augenaufschlag allerdings schon bemerkenswert, inspirierte die Veranstalter der Schau „Prominenz auf Rädern“, den 4 PS einzubeziehen. Da stand er 1992 in Berlin zwischen Stalins ZIS, dem Mercedes 600 des Papstes und Breschnews im Brausebrand zerdepperten Rolls Royce. Als die Schau zu Ende ging, sprang das kleine Auto einfach so an und fuhr aus der Halle, während die anderen Exponate von lästerlich fluchenden Helfern davongeschoben wurden.

Gewartet wird der 4 PS in Eigenregie, die Kenntnisse hat sich der Bankkaufmann angeeignet. Doch das Aneignen lässt sich auch aus einer anderen Warte sehen. Stephan war und ist am Aufbau eines Registers beteiligt, das alle erhaltenen 4 PS, also nicht nur die in unserer sehr lebendigen Typgruppe organisierten Exemplare zu erfassen versucht. Mit dem bald bevorstehenden Ruhestand vor Augen ging er in den Vorstand der Interessengemeinschaft für Industriekultur und Verkehr e.V. in Nürnberg, was ihn schon jetzt einen oder zwei Abende die Woche kostet. Wer sich am Ende wen angeeignet hat, die Antwort kennt jeder, der sich länger mit der Oldtimerei befasst.

 

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Ebenfalls gerade erst wieder auf der Straße: der Kadett D Caravan von Andreas Vollmer

Freitag

Der Freitag beginnt deutlich kühler. In der Nacht hat es geregnet. Der Morgen startet mit der Begrüßung der Veteranenfraktion: Reinhard Wiens hat den 5/ 12 PS von 1912 dabei, „…der war aber schon mal mit, vor 25 Jahren“. Bart Buts lädt den Spitzkühler aus dem Jahrgang 1922 vom Hänger. Gudrun und Wolfgang Renner, über deren Reise nach Griechenland wir berichtet haben, rüsten gerade die nächste Expedition aus. Nach Schottland soll es gehen, und Wolfgang packt verschmitzt die neuen Bremstrommeln aus, die den Super 6 wieder adäquat verzögern sollen. An Vortrieb mangelt es dem Cabrio nach wie vor nicht.

Für den Veranstalter ist der Freitagmorgen die Stunde der Wahrheit, denn dieses Mal gibt es keine vom Veranstalter organisierte Ausfahrt. (Es gibt allerdings von Stammtischen organisierte, aber auch von Cliquen spontan gestartete Ausfahrten.) Wie die teilnehmenden Mitglieder darauf reagieren, war vor dem Treffen die spannende Frage. Mit einem Wort: gelassen. Da nicht alle die Hintergründe kennen: Das Jahrestreffen in Speyer wurde, nachdem aus dem Kreis der Mitglieder kein umsetzbarer Vorschlag gekommen war, von Matthias Goebel (aus Lauffen) im letzten Moment angeschoben und die Zeit, auch noch eine Ausfahrt zu organisieren und die entsprechenden Genehmigungen einzuholen, war nicht mehr da.

Der Freitag wird dadurch anders als gewohnt.

Einige verbringen den Tag im Technikmuseum, andere treffen Harald Bläser im Biergarten des Domhofs und essen Leberknödel mit Specksauerkraut, sehr gut übrigens, wieder andere besichtigen den Dom oder bleiben einfach auf dem Platz, Autos gucken, Benzingespräche führen.

Nachdem es mittags aufklart gehen wir noch einmal in die Stadt, dieses Mal nicht direkt, sondern mit dem kleinen Umweg über Rheinpromenade und Dompark. Im zweiten Anlauf, einige Schritte aus der belebten Fußgängerzone heraus und in die Gassen hinein, in denen nicht Tand für Touristen, sondern Bücher und Geschirrspüler für die Einheimischen gehandelt werden, wandelt sich das zunächst ein wenig zu gut polierte Bild der Stadt und sie zeigt – tatsächlich mediterranes Flair, völlig ohne Zwergpalmen in Kübeln.

Wenn es keine Ausfahrt gibt, kann ich auch nicht darüber berichten, und deshalb gibt es dieses Mal die kleinen Portraits, von denen nun das dritte folgen soll. Getextet unter erschwerten Bedingungen. Wenn Harald Bläser neben einem sitzt und eine Anekdote nach der anderen raushaut soll man sich erst einmal konzentrieren.

Letztes Jahr gab es den ersten Kontakt zu Hans Görges, der schnell Mitglied wurde, aber nicht ganz so schnell seinen Traumwagen fand: einen Rekord C. Gekauft dann in Wetzlar und seither mit viel Enthusiasmus und Akribie hergerichtet. Es ist ein zweitüriger 1900S aus dem Jahrgang 1970, der seit dem Kauf behutsam konserviert, hergerichtet und im Detail verbessert wird. Hans Görges kann man als Puristen sehen, wenn es um die Karosserie geht, während er bei der Mechanik dazu neigt, die in seinen Augen bessere der originalen Lösung vorzuziehen. Wenn die Startautomatik den Leerlauf länger anhebt als erforderlich wird eben auf Choke umgebaut. Wenn der blecherne Ventildeckel ohnehin nicht mehr dicht zu bekommen ist wird einer aus Leichtmetall verbaut, was nebenbei auch das Laufgeräusch besser dämmt als es die Controller bei Opel vorgesehen haben. Die vorderen Kotflügel wurden abmontiert, doch die A-Säulen zeigten sich völlig intakt und so diente die Übung am Ende vor allem der Hohlraumkonservierung. Der Rekord schwitzt in der Sonne immer noch ein wenig aus, seine Betriebsflüssigkeiten behält er aber inzwischen für sich. Ein schönes Auto mit herrlich unaufgeregter Ausstrahlung, ganz anders als die immer noch häufig zu sehenden tiefer breiter Ihr wisst schon. Die Aussicht auf ein Wiedersehen und ein Gespräch über die dann vorgenommenen Arbeiten macht Freude.

Doch nicht nur für die Helfer ist das Jahrestreffen mit Arbeit verbunden, auch der Redakteur hat einiges zu tun. Die Restarbeiten an dZ 231, der letzten Ausgabe, werden auf der Hotelterrasse erledigt.

(Deshalb standen die Neuigkeiten aus der Schweiz auch ohne Fotos im letzten Heft. Dafür hat die Zeit einfach nicht mehr gereicht.) Bei dieser Gelegenheit ein Kompliment an das aufmerksame Hotelpersonal.

 

Wer sich gerade durch den Umbruchplan fummelt und nicht alle Hilfsmittel dabei hat, weiß guten Service zu schätzen und ist dankbar dafür, nicht auch noch dem Kaffee hinterherrennen zu müssen.

Eike Zwarg erzählt, wie er einen Typreferenten kennengelernt hat, dessen Name mir gerade entfallen ist. Husum 1998, und da sollen doch böse Leute bei der Schifffahrt, damals noch mit zwei f, immer wieder Wurstbrötchen bestellt haben. Die Wurst wurde vom Brötchen getrennt und an Kinder verfüttert, während das Brötchen mit Bier nachbearbeitet an Möwen verfüttert wurde, die dem Vernehmen nach ihren Spaß hatten. Gut, dass die Mitglieder unserer Gemeinschaft so etwas nie im Leben anstellen würden.

 

Samstag

Teilemarkt! Nein, doch noch nicht. Erst einmal ein Anruf von der Anmeldung: Gäste mit ungewöhnlichen Alt-Opel eingetroffen. Bernd Gartner hat auf der Retro Classics Stuttgart einen Vorkriegs-Kadett ausgestellt, in Tarnfarbe und mit einem Spaten über der vorderen Stoßstange. Dieses Auto hat Daniel Zirner mitgebracht, dazu einen ebenfalls kriegerisch aufgemachten 2 Liter als Pritsche und ein Motorrad, das allerdings nicht von Opel. Die Autos kommen aus Skandinavien. Daniel räumt ein, dass es ihm eher um die Militärhistorie als um die Marke geht. Nur werden in der Militaria-Szene für Raritäten wie das Kettenkrad oder den Allrad-Blitz längst Summen gezahlt, die für Nachwuchs-schrauber unerschwinglich sind. Weniger stark motorisierte Modelle wie der 2 Liter, der Olympia und der Ur-Kadett sind in Schweden und Norwegen immer noch für recht wenig Geld zu haben. Eckhart Bartels erinnert sich an zwei Kettenkräder, die in den jungen Jahren der ALT-OPEL IG dabei waren, außerdem sandfarbene Blitz-LKW.

 

Nun zu einer eigenen Weißt-du-noch-Geschichte. Vor gut zwanzig Jahren war ich mit dem Rekord ´57 am Niederrhein unterwegs. An den Anlass der Reise erinnere ich mich nicht mehr. Wohl aber an die Panne. Der Rekord war gerade durchrepariert und hatte bereits einige lange Reisen hinter sich gebracht. Vergessen hatte ich allerdings, nach der Lichtmaschine zu sehen. In Grevenbroich waren die Kohlen hinüber. Uwe hatte damals auch so einen Rekord, die Teile zur Hand und ein kühles Brinkhoffs No1 zur Feier der Reparatur.

Sein Leben ging bald darauf aus den Fugen, meins auch, Umzüge und andere Dramen – wir haben uns aus den Augen verloren. Heute lebt Uwe in Erkelenz und hat auch endlich wieder die Muße, sich mit Oldtimern zu beschäftigen. 2010 kaufte er einen Kapitän P 2,6, einen Import aus Südfrankreich im leicht patinierten Originalzustand. Das Auto ist weitgehend ungeschweißt. Eine Reparatur am Batteriesitz ist zu erkennen. Sonst präsentiert sich die Reiselimousine wie ein junger Gebrauchter. Einen passenden Wohnwagen gibt es auch und so wird der Kapitän heute artgerecht bewegt. Gemütlich, aber keineswegs langsam.

Den Nachmittag verbringen wir auf der Hotelterrasse. Uwe Mertin von Opel Classic und seine Frau, sie waren übrigens während der gesamten Dauer des Treffens dabei, haben auch noch etwas zu arbeiten und erst am frühen Abend kommen wir dazu, uns zusammenzusetzen. In den nächsten Monaten werden weitere Opel-Beiträge im Oldtimer Markt erscheinen und Opel Classic wird wieder Autos für die Fotos bereitstellen. Doch auch die Küche der Pfalz ist noch einmal ein Thema. Vor zwanzig Jahren war ich in Edenkoben und Bad Dürkheim, nicht weit von Speyer entfernt. Neben Saumagen und Leberknödel standen damals Fleschknepp auf der Speisekarte. Fleschknepp bedeutet Fleischknöpfe. Ursprünglich waren das zerkleinerte Bratenreste, die wie kleine Frikadellen zubereitet als Suppeneinlage serviert wurden. In Speyer haben wir keine auf den Speisekarten gesehen.

 
Die Festhalle füllt sich schnell am Abend. 420 Alt-Opel, das bedeutet an die 1.000 Teilnehmer. Nicht alle gehen zum Festabend; Teile der Camping-Fraktion ziehen es vor, die Bratwurst mit dem Wagenheber umzudrehen. Nach dem sehr guten Menü berichtet Uwe Mertin von den Aktivitäten bei Opel Classic.Dieses Jahr wird der Experimental-GT 50 Jahre alt. Nicht nur deshalb bleibt Design das zentrale Thema.

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Stephan Güthlein und sein 4 PS, dessen...


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…Pedale eine lange Geschichte erzählen


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Kadetten in der Abendsonne


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Reinhard Wiens treibt den 5/ 12 PS schwungvoll über den Platz


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 Stilecht unterwegs auch Martin Lucas

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Neue Bremstrommeln für den Super 6


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Diplomaten von Karmann


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Rekord D Sprint

Die Aufwärtsentwicklung der Opel-Verkaufszahlen geht trotz der schwierigen Situation in Russland ungebrochen voran und schon 2016 wird die Rückkehr in die Gewinnzone erwartet. Design und Emotionen spielen eine treibende Rolle, aber auch die sich herumsprechende Erkenntnis, dass die Qualität der Fahrzeuge unserer Marke sich mit der Qualität sogenannter Premiummodelle mindestens messen kann. (Um so einen Satz rauszuhauen ist Uwe Mertin zu sehr Gentleman. Diese Ergänzung habe ich mir erlaubt.)

Matthias Goebel (aus Lauffen) schildert kurz die Vorbereitungen dieses improvisierten Jahrestreffens, das keineswegs improvisiert  gewirkt hat, und stellt das Organisationsteam vor. Eigentlich hätte Olaf Zimmer als Veranstalter des Jahrestreffens 2014 in Wetzlar auf der Bühne stehen sollen, doch eine schwere Krankheit hat seine Teilnahme verhindert. Dennis Ebert vertritt ihn. Es folgt ein bewegender Moment: Lothar Rindt liest einen Brief vor, den Olaf Zimmer an die Teilnehmer geschrieben hat und den wir hier wiedergeben:

 

Nachricht von Olaf Zimmer

" Wie einige Freunde und Bekannte auch über die Grenzen des Lahn-Dill-Stammtisches hinaus mitbekommen haben, musste ich mich im vergangenen Sommer der Behandlung einer Krebserkrankung stellen, die leider noch nicht gänzlich abgeschlossen ist, und somit auch meine Teilnahme hier verhindert. Diese langwierige Therapie hat mich an die Grenzen meiner Belastbarkeit geführt,  die ich nur mit Hilfe meines Partners, meiner Familie und meiner Freunde überstehen konnte. Besonders begeistert hat mich dabei vor allem die Anteilnahme und der stetige Kontakt aus den Reihen des Stammtisches Lahn-Dill. Darüber hinaus haben aber auch Freunde und Bekannte aus anderen Regionen und sogar andere Stammtische regelmäßig Kontakt gehalten und sich nach meiner Genesung erkundigt. Ich finde das sehr beeindruckend und bin stolz darauf Mitglied in einer Gemeinschaft sein zu können,  die einen solchen Zusammenhalt pflegt. Ich bin der Meinung, daß es ein solcher Club absolut verdient hat, dass die Mitglieder sich engagieren und somit den Fortbestand von großartigen Veranstaltungen wie den Jahrestreffen zu sichern. TRAUT Euch - es lohnt sich!
Abschließend möchte ich mich ganz herzlich bei allen für ihre Unterstützung bedanken, obwohl mir dafür die richtigen Worte fehlen! Ihr habt mir sehr geholfen und ich freue mich schon jetzt darauf unserem schönen Hobby bald wieder mit Euch frönen zu können. "

Olaf Zimmer *3281


Danach stellt Udo Feck die Planung des Jahrestreffens 2016 vor. Austragungsort wird das Hymer-Museum in Bad Waldsee. Bis es so weit ist, werden wir auch wissen, wie es Horst Wolf ergangen ist, der bei unserer Verlosung die Teilnahme an einer Oldtimer-Rallye gewonnen hat. Horst war perplex genug, um gleich zweimal zu erzählen, dass er nach vielen Jahren Kapitän und Admiral A gerade rechtzeitig einen Diplomat A fertig hat und uns oberklassig vertreten wird.

Für die Jahrestreffen nach 2016 werden weiter Ausrichter gesucht. Wer sich dafür interessiert, findet auf unserer Homepage detaillierte Informationen, die Olaf Trapp mit großer Sorgfalt zusammengestellt hat. Informationen dazu gibt es auch bei Udo Feck.

 

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Rekord P2 Pickup

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Tigra (o.) und Kadett C City

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Hans Görges im Gespräch mit Dieter Brand

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Kapitän ´51

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Kadett B Kiemencoupé und Rekord C Caravan

 

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Bitter CD (o.), 2 Liter Pritsche und Kadett in Uniform

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Kapitän P 2,6 im Originalzustand

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Uwe Gau, auch im Originalzustand

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10/ 35 PS Spitzkühler

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Der Vierzylinder misst 2,6 Liter


Nachlese

   

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Hallo Stefan,

wie besprochen schicke ich Dir das Bild von unseren Nachwuchshelfern beim Jahrestreffen in Speyer. Das Bild zeigt Janek Kuhn (13 Jahre) und Carina Vollmer (9 Jahre), wie sie den ankommenden Teilnehmern den Weg zur Anmeldung erklären.

Andreas Vollmer *2779

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Moin Stefan,

 

Du irrst, tatsächlich ist die B-Säule etwas eingezogen, sodass die Radläufe die breiteste Stelle des Fahrzeuges sind. Fällt deutlich auf bei Autos mit seitlicher Schutzleiste. Weiterhin gibt es zwei Varianten der Seitenwände: recht flach am Radausschnitt und etwas verbreitert. Wechselte zum MJ 67. Die Details der A-Modelle sind eine kleine Wissenschaft. Tibors Diplomat ist handwerklich gesehen ein Kunstwerk.


Claudius Kahl *869

 

Anm.: Da sieht man mal, wie selten diese Autos sind. Ich kannte bisher nur die erste Version mit den flachen Seitenwänden und dachte, das rote Diplomat Coupé aus Ungarn sei an diesem Punkt nicht originalgetreu aufgebaut worden. Dank an Claudius für die Aufklärung!


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Das Fahrwerk des

Commodore B wurde

seinerzeit viel gelobt

 

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Hallo zusammen,


ein Gruß auf diesem Wege an alle Da-Gewesenen beim ALT-OPEL Treffen in
Speyer (14. bis 17. Mai 2015).

Noch während des Fototermins erhielten wir von GM-Classics, Vauxhall;
South-American-Classics-Association (SACA) und GM Suisse-Classic Angebote
zur Ausrichtung internationaler Treffen von GM Fahrzeugen. Claudius hat auf
dem BIG-PHONE alle Termine gespeichert.
Wir verabschieden uns bis 2016 und sind bis dahin auf weltweiter Tournee.

Bis dahin, beste Grüße

Matthias Goebel *1152

Autor des Fotos ist Michael Claus. Übrigens, die abgebildeten Personen sind: Von links. Andreas Vollmer und Tochter Carina, Dieter Knoblich, Rolf Hönes, Michael Claus, Thomas Hilbert, Claus Crößmann(?), Matthias W. Goebel, Dieter Schulz, Tina Eichhorn, Christiane Kahl-Bitter. Pokal haltend: Claudius Kahl (mit Telefon), Arnfried Balduf, Thomas Eichhorn, Harald Würschig, Bernd Gartner, Peter Strauss. Nicht am Fototermin konnten teilnehmen: Hans-Martin Weber, Familie Goerke, Familie Kandora, Familie Fröhlich,  Brunhild Spengler, Renate Wohlfahrt, Wolfgang Krapp

 


 

Text: Stefan Heins *1662

Fotos: Ralf Andrjeczak, Udo Feck, Bernd Gartner, Stefan Heins, Matthias Goebel (aus Lauffen), Matthias Göbel (aus Dortmund), Claudius Kahl, Andreas Vollmer, Ben de Wilde und ein Fotograf, der mir eine Multimedianachricht auf das Mobiltelefon geschickt hat, die ich nach dem Weiterleiten auf die Mailbox versehentlich gelöscht habe

 
   

 

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